Wie ein Konkursverwalter bei Rollei über 400 Arbeitsplätze rettete

Von Irene Mayer-List

Wolfgang Ebeling montiert mit winzigen goldenen Schräubchen das Innenleben einer altmodischen Rolleiflex-Kamera. „Rund viertausend Mark wird das Jubiläumsmodell kosten. Schon jetzt ist die ganze Serie ausverkauft“, erzählt der Feinmechaniker voller Stolz. Daß er so exklusive Photoapparate – handgearbeitet, mit Eidechsenleder und vergoldeten Objektiven – noch einmal in seiner Werkstatt bauen würde, hatte er vor kurzem selbst in seinen kühnsten Träumen nicht erhofft.

Denn vor über anderthalb Jahren, am 25. Juni 1981, meldete sein ehemaliger Arbeitgeber, die Braunschweiger Rollei-Werke GmbH, Vergleich – und später Konkurs – an. Das traditionsreiche Unternehmen, das vor dem Zweiten Weltkrieg mit der zweiäugigen Spiegelreflex-Kamera Rolleiflex weltberühmt geworden war, schien sich nach vielen verlustreichen Jahren vom Photomarkt zu verabschieden. Für die siebenhundert Mitarbeiter stand die Entlassung so gut wie fest.

Daß Ebeling und mehr als vierhundert seiner Kollegen heute trotzdem noch auf dem Rollei-Gelände Kameras bauen und reparieren, verdanken sie hauptsächlich einem Konkursverwalter: dem 57jährigen Hamburger Steueranwalt Gunther Gustafsen, der – so das manager magazin – zur „Bundesliga“ und damit zur Creme der deutschen Konkursverwalter gehört.

Ein neues Unternehmen

Gustafsen arbeitet nach anderen. Prinzipien als die meisten seiner Kollegen. Während diese sich meist streng an das Gesetz halten und die Pleiteunternehmen so schnell wie möglich liquidieren und schließen, ließ Gustafsen bei Rollei im Konkurs weiterproduzieren. Das ist zwar riskant und bringt außer Prestige nicht mehr als das übliche – ansehnliche – Honorar für den Konkursverwalter. Doch Gustafsen hat seine Ziele höher gesteckt: Wie auch bei anderen ihm anvertrauten Unternehmen, wollte er bei Rollei Arbeitsplätze retten. Am 30. Juni dieses Jahres wird er diese selbstgestellte Aufgabe abschließen. Zufrieden kann er schon heute sagen: „Wir haben ein völlig neues Unternehmen aus dem Boden gestampft.“