Von Jürgen Miksch

Immer mehr Bücher und Veröffentlichungen befassen sich mit den in der Bundesrepublik lebenden Türken. Das sind tastende Versuche, mehr von dem Fremden zu erfahren und sich ihnen zu nähern. Dabei wird schnell deutlich, wie unzureichend die von uns entwickelten Methoden sind, andere Kulturen und Menschen zu verstehen:

„Die Türkei und die Türken in Deutschland“; herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg; Kohlhammer Taschenbücher, Stuttgart 1982; 124 S., DM 16,–

Dieser Band stellt zunächst die soziale und wirtschaftliche Situation der Türkei dar, den Laizismus und die Entwicklung unter der Junta. Der zweite Teil geht auf das Leben der Türken in der Bundesrepublik ein: auf ihre Bereitschaft zur Integration und die Chancen, die ihnen von den Deutschen eingeräumt werden. „Integration“ – darin sind sich die Autoren einig – darf nicht Selbstaufgabe, nicht fügsame Anpassung an die fremde Kultur bedeuten. Andererseits: Die Neigung der Türken, die eigene Kultur als unveränderlich anzusehen, steht der Integration im Wege. „Kulturelle Identität wird nicht dadurch zerstört, daß sie von fremden Elementen unterwandert wird. Sie zerbricht dann, wenn sie nicht in der Lage ist, das Fremde zu verarbeiten und in einer neuen Situation auch neue Formen zu finden.“

Kritisch ist zu diesem Buch anzumerken, daß nur ein einziger türkischer Autor, der noch dazu seinen Namen verschweigt, mit einem Aufsatz beteiligt ist. Außerdem fehlen Analysen der verschiedenen türkischen Gruppierungen in der Bundesrepublik; entsprechend gerät die Darstellung oft zu undifferenziert. Diesem Mangel versucht eine Sammlung von Aufsätzen abzuhelfen, die sich mit der Lebenswelt türkischer Kinder und Jugendlicher befaßt:

Helmut Birkenfeld (Hrsg.): „Gastarbeiterkinder aus der Türkei. Zwischen Eingliederung und Rückkehr“; C. H. Beck, München 1982; 176 S., DM 19,80