Das britische Auktionshaus Sotheby’s wehrt sich gegen amerikanische Eindringlinge

Von Wilfried Kratz

Eine innigere Verbindung von Kunst und Kommerz ist schwer vorstellbar: Die beiden Amerikaner Swid + Cogan, erfolgreiche Finanziers und Unternehmer mit Ambitionen in der Welt der Kunst, wollen für rund 225 Millionen Mark das bekannte Londoner Auktionshaus Sotheby’s kaufen. Sotheby’s Direktoren bereiten die Abwehr der „völlig unwillkommenen“ Offerte vor und suchen einen Interessenten, der die Amerikaner überbietet.

Graham Llewellyn geriet in eine ausgesprochen depressive Stimmung, als ihn der Kaufwunsch der Amerikaner erreichte. „Ich werde mich erschießen“, versprach der Schmuckexperte und oberste Manager von Sotheby, Parke Bernet, „wenn die Amerikaner die Herrschaft im Auktionshaus übernehmen.“ Kein Angebot könne hoch genug sein, um es den Aktionären zu empfehlen. Es stamme von „den falschen Leuten“, denn „sie kommen aus dem produzierenden Sektor“. Es bestehe kein innerer Zusammenhang zwischen Teppichunterlagen und Büromöbeln und der Bewertung und Versteigerung von Kunst.

Im Dezember hatten Stephen Swid und Marshall Cogan, Großaktionäre und Manager von General Feit Industries und Knoll International, dem Board von Sotheby’s angezeigt, daß sie 14 Prozent des Kapitals erworben hatten. Als Großaktionäre suchten sie nun ihren Einfluß geltend zu machen und boten ihre Erfahrungen als Finanziers und Manager an, um das in einer schweren Krise steckende 239 Jahre alte Auktionshaus wieder auf den angestammten ersten Platz zu führen. Sotheby’s erteilten den Yankees eine Abfuhr.

Als die Amerikaner unverdrossen einen zweiten Anlauf unternahmen, reagierten die Briten noch kühler. Den Experten des Hauses wurde jede Kommunikation mit den Eindringlingen untersagt. 133 Experten, ein wesentlicher Teil von Sotheby’s Aktiva, deuteten den Amerikanern in einem Brief an, die Fusion „wäre unannehmbar und würde jeden von uns veranlassen, sofort eine alternative Beschäftigung zu erwägen“.

Die Ablehnung schlug in offene Feindseligkeit um, als Swid + Cogan schließlich mit dem Angebot herausrückten, alle Aktien zum Preis von 520 Pence das Stück zu übernehmen, eine Offerte, die das Unternehmen mit rund 60 Millionen Pfund bewertet. Verächtlich wurde in London von den amerikanischen „Filzmachern“ gesprochen. Sie wurden als unbedarfte Parvenues hingestellt, die sich in opportunistischer Weise der großen britischen Institution ausgerechnet zu einem Zeitpunkt bemächtigen wollten, da die geschäftlichen Indikatoren wieder bessere Zeiten ankündigten. Der konservative Daily Telegraph sah „nationales britisches Erbe“ in Gefahr und warnte vor dem Risiko, daß der Name Sotheby’s für Sessel, Zigaretten oder sonst irgend etwas mißbraucht wird.