Die teure Volkszählung hat kaum praktischen Nutzen

Von Wolfgang Hoffmann

Nachdem die Verfassungsrichter in Karlsruhe die umstrittene Volkszählung vorerst gestoppt haben, klagte der Statistikleiter der Bundeshauptstadt Bonn, Hans Erken, wehleidig: „Als Demokrat akzeptiere ich natürlich voll das Urteil, wenngleich es schon frustrierend ist zu erfahren, daß alles für die Katz ist.“

Erkens Klage steht stellvertretend für Tausende von amtlichen Rechnern landauf, landab. Seit Jahren schon warten sie begierig auf Daten von der Basis, auf Daten aus dem Volk. Der Frust über den Urteilsspruch aus Karlsruhe ist daher nur allzu verständlich.

Von Schaden für die Republik, wie vielfach behauptet wird, kann freilich keine Rede sein. Immer mehr nämlich verdichtet sich der Verdacht, die Zählung habe nur den einen Zweck, den Statistikern neue Arbeit zu verschaffen. Fragt man nämlich einmal nach dem konkreten Nutzen der letzten großen Volkszählung 1970 nach, so hüllen sich die meisten Statistiker in tiefes Schweigen.

Horst-Wolf Müller, Chefmathematiker beim Verband der Rentenversicherungsträger in Frankfurt, zum Beispiel erklärt Wortreich, daß die Volkszählung ganz wichtig sei, um den Politikern sagen zu können, ob die Rentenversicherung längerfristig gesichert ist oder nicht. Überdies müsse man von Zeit zu Zeit einmal genau wissen, wie hoch die Zahl der Einwohner ist und wie viele davon in Lohn und Brot stehen. Von diesen Zahlen hänge mitunter auch die Höhe der jährlichen Rentenanpassung ab.

Das klingt einleuchtend, denn das Prinzip des Generationenvertrages der Rentenversicherung ist, daß jeweils die Jungen für die Alten einstehen. Wenn aber niemand weiß, wie viele der Jungen tatsächlich für die Rente der Alten arbeiten, muß man sich nicht wundern, wenn die Prognosen für die Rentenfinanzen nichts mehr taugen. Aber – wenn die Volkszählung doch so wichtig ist, müßten die Rentenrechner doch auch genau sagen können, welchen Gewinn ihnen die letzte große Zählung 1970 gebracht hat, was sie auf Grund der konkreten Daten konkret korrigiert haben und wie sie ihre Prognosen wieder in die Nähe der Wahrscheinlichkeit gerückt haben. Aber sie können es nicht. Sie berufen sich sowohl in Frankfurt wie im Bonner Arbeitsministerium darauf, daß Rechner und Zähler längst in Pension seien, sie selbst aber damals noch nichts mit der Rentenstatistik zu tun hatten.