Die niederbayerische Stadt hat prächtige Fassaden, prunkvolle Kirchen – und ein bekanntes Zuchthaus

Von Monika Putschögl

Ihre Haut, heißt es, war so zart, daß man den Rotwein sehen konnte, der durch ihre Kehle floß, und ihre Gestalt war von so anmutigem Liebreiz, daß sie nicht nur die Chronisten beeindruckte. Die außergewöhnliche Schönheit brachte ihr erst die Liebe eines Herzogs ein, dann den Tod, über diesen hinaus jedoch Prominenz bis auf den heutigen Tag. Schon Bayerns König Ludwig I. prophezeite ihr in einem Gedicht „Jahrhunderte hat schon die Zeit verschlungen / So wie die Flut, in der dein Leben schwand, / Dein Name doch hat sich ihr hehr erschwungen“.

Agnes Bernauer, Baderstochter aus Augsburg, nach eigenem Ausspruch Gattin des Herzogs Albrecht III., steht zum Ruhme der Stadt, in der sie 1435 den Tod durch Ertränken fand, alle vier Jahre feierlich von den Toten auf.

Straubing, 42 500 Einwohner, kreisfreie Stadt in Niederbayern und an der Donau, feiert in diesem Turnus, 1984 zum nächstenmal, seine schönste Leiche. Obwohl die Dame durch Straubings Henker ein wenig rühmliches Ende fand, schmückt sich die ehemalige Residenzstadt (des Herzogtums Straubing-Holland) heute noch werbewirksam mit ihrem Namen.

Erbe verpflichtet

Gäubodenstadt ist ihr zweites Attribut. Gäuboden, so heißt das platte Ackerland mit seinem fruchtbaren Lößboden, das so wenig von oberbayerischer Leichtigkeit hat. Der Gäuboden ist eine harte Arbeitslandschaft. Flach und langweilig dehnen sich die gewaltigen Felder bis zum Horizont, wo die dunkel-waldigen Hügel des Bayerischen Waldes in dunstiger Ferne aufsteigen. Die Kornkammer Bayerns ehemals, heute die Zuckerrübenkammer. Vieh lohnt sich nicht, weit mehr die Zuckerrüben, die manchen Bauern den Urlaub an der Riviera ermöglichen und manchem das Nummernkonto in der Schweiz.