Der eifrigste deutsche Rundfunksender ist hierzulande so gut wie unbekannt, obwohl er am 3. Mai schon seinen dreißigsten Geburtstag feiern kann – die „Deutsche Welle“, die in 34 Zungen sprechende Kurzwellen-Stimme der Bundesrepublik für die Welt und die Deutschen im Ausland. Was mehr als bescheiden in Köln begann, hat sich zu einem respektablen Großunternehmen gemausert, das den Vergleich mit der englischen BBC oder amerikanischen Voice of America nicht zu scheuen braucht.

Und damit ist die Deutsche Welle auch über den Status eines amtlichen Propaganda-Senders längst hinausgewachsen. So sehr der Süden über den Informations-Imperialismus des Nordens klagt – ein politisch interessierter Afrikaner etwa ist für verläßliche Informationen über seine Nachbarländer immer noch auf die Sendungen westlicher Stationen angewiesen. Der freie Fluß von Informationen läuft im alten Nord-Süd-Bett schneller als in den kümmerlichen Süd-Süd-Kanälen.

Wie lange hoch – das ist eine politische Frage. Immer mehr junge Staaten erheben Ansprüche auf die knappen Kurzwellen-Frequenzen, um ihrerseits in der Welt gehört zu werden und Nachrichten vom Süden in den Norden zu transportieren. Der Kölner Jubilar hat begonnen, sich darauf einzurichten und jenen Ländern tatkräftig Hilfe zu leisten, die den ungehinderten Austausch von Informationen als eine Chance für die eigene Entwicklung anerkennen: eine so vernünftige wie verheißungsvolle Auslegung seiner Erkennungsmelodie aus Beethovens „Fidelio“: „Es ruft der Bruder seine Brüder.“ H. B.