Die Bücherliste mit praktischen Winken für alle Fälle des Lebens ist endlos: Neben ungezählten Tips für Autofahrer und Heimwerker werden auch Kleintierhalter, Kalorienzahler und Balkonblumenzüchter aufs beste beraten, Manch eines dieser Büchlein mag tatsächlich hilfreich sein, viele sind freilich schlicht überflüssig. Zu letzterer Kategorie zählt auch der rechtzeitig zur Sommer-Reisewelle erschienene Urlaubs-Ratgeber „Tickets, Koffer, Höhenkoller“ von Doris Langen (Delphin Verlag, München; 16,80 Mark).

Die Fleißarbeit der Autorin („999 praktische und ungewöhnliche Tips für das Reisen“) sollten sich wirklich nur jene zu Gemüte führen, die Urlaubsreisen bisher lediglich vom Hörensagen kennen. Denn selbst wer kein Tourismus-Profi ist, wird sich bei der Lektüre (oft unangenehm) belehrt vorkommen und für die meisten Ratschläge (in verkrampft-witzigem Plauderton) nur ein nachsichtiges Lächeln aufbringen können. So praktisch wie angekündigt sind die Tips wahrhaftig nicht. „Fenster und Türen schließen“, steht zum Beispiel im Kapitel „Reiseplanung“ zu lesen, oder „Rechtzeitig den vierbeinigen Freund versorgen“. Darauf wäre man notfalls auch alleine gekommen. Höchst ungewöhnlich sind indes Vorschläge wie „Der allerletzte Schrei für sparsame Reisende ist der Reisekochtopf. Damit bereiten Sie diskret ihr Süppchen auf dem Zimmer“, oder „Heute können Sie den Rat, vor der Luftreise Wasser abzuschlagen, getrost vergessen. Es gibt Toiletten an Bord“. Diese Kuriositätenliste ließe sich beliebig verlängern.

Selbstverständlich hat sich die Verfasserin auch dem Thema „alleinreisende Frauen“ gewidmet. Selbst auf diesem Gebiet, so scheint es, hat sie kaum Erfahrung: „Tragen Sie einen Ehering ... Ein uralter Trick, auf den sämtliche Männer hereinfallen“, lauten ihre Verhaltensregeln, oder: „Reden Sie begeistert von Kindern und Enkeln, wenn ein heißblütiger Mann zudringlich werden will.“ Ob ihn das abschrecken wird? Einen Tip freilich sollten weibliche Singles beherzigen: „Das Geldtäschchen steckt man auf Märkten oder Basaren am besten in die Unterwäsche.“ Denn da wird, der listigen Autorin sei Dank, mit Sicherheit niemand drankommen.

Abschließend jedoch macht Doris Langen allen jetzt vollends verängstigten Frauen wieder Mut. Sie meint zum Thema „Kennenlernen“: „Folgen Sie auch mal nur Ihrem Gefühl, und vergessen Sie alles, was Sie über den Umgang mit Möchtegern-Casanovas wissen, wenn Sie glauben, den besten aller Männer gefunden zu haben.“

Und wenn nun ausgerechnet der an das Geldtäschchen will? Brigitte Wolter