Das Vorurteil sitzt tief: Gewerkschaftliche Tarifpolitik ist einfallslos und nur auf Prozente ausgerichtet. Daß es den Arbeitnehmerorganisationen aber nicht nur ums liebe Geld geht, bewies die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) bei ihren Tarifverhandlungen.

Neben einer Gehaltsanhebung um 3,2 Prozent unterschrieben jetzt Banken und Versicherungen für ihre rund 500 000 Mitarbeiter einen Vertrag, der die Beschäftigten vor den Folgen der fortschreitenden Rationalisierung stärker schützt, als es in den meisten anderen Branchen bisher üblich ist.

Da geht es nämlich nicht nur um saftige Abfindungen, sondern um Umschulung, Versetzung auf einen anderen Arbeitsplatz oder – bei entsprechendem Alter – auch um freiwilliges vorzeitiges Ausscheiden aus dem Arbeitsleben.

Mit dieser Vereinbarung haben die HBV und ihre Tarifpartner Maßstäbe gesetzt. Denn die Folgen der Rationalisierungen werden Unternehmen und Beschäftigten noch große Sorgen bereiten. Das gute Beispiel der HBV könnte Schule machen. ms