„Ich wünsche mir, daß mein Bruder immer gute Laune hat.“ – „Mal keinen Ärger mit den Hausaufgaben.“ – „Meine Eltern müßten mal ganz viel Zeit für mich haben.“ Auch für Kinder, so ergab die Umfrage einer Lehrerin, ist anscheinend Ferienzeit – Ausnahmezeit.

Je älter die Mädchen und Jungen werden, desto mehr liegt ihnen daran, abends nicht zu einer bestimmten Zeit ins Bett geschickt zu werden – ergab die Umfrage im Klassenzimmer bei Kindern zwischen acht und zehn Jahren. „So zwischen 24 und 1 Uhr nachts draußen sein“, ist für den zehnjährigen Diego, Sohn spanischer Gastarbeiter, das Aufregendste, was er sich vorstellen kann. „Ich verbringe meine Ferien am liebsten am Bach mit Krötenfangen und Fröschebeobachten“, schreibt er weiter, „und in einem Haus, in dem noch keine Fenster und Türen sind, spielen wir Cowboy.“

Sonst unterscheiden sich die Urlaubsträume der sechzig Kinder freilich wenig von den Abenteuer-Reiseideen ihrer Väter: draußen zu schlafen, in einem Zeit oder auf einem Schiff; sich mal selber was zu kochen oder im Wald nach Pilzen und Beeren zu stöbern – das steht auf der Wunschliste ganz oben. Der zehn Jahre alte fernsehgewohnte Mike möchte sogar einmal mit einem Spezialauto die Wüste durchqueren und dabei mit dem Fernglas Löwen und Elefanten auskundschaften. Andere wollen Freiheit und Abenteuer auf weiten Meeren suchen oder unter Wasser – mit einer Taucherbrille. Und natürlich: Alle wollen ohne Erwachsene auf Entdeckungsfahrt.

All das stellt sich die Mehrzahl der befragten Acht- bis Zehnjährigen unter Ferienmachen vor, wobei es keine Rolle spielt, ob der Urlaub in Europa oder in einem weiter entfernten Land stattfindet. Nur warm sollte es sein, damit man recht viel draußen sein kann.

Ein besonderer Traum war für viele Kinder auch, einmal zusammen mit einem Freund oder einer Freundin zu verreisen. Stephanie beispielsweise würde gern einmal mit in die Heimat ihrer portugiesischen Sitznachbarin fahren. Doch ihre Mutter erlaubt es noch nicht, während ein anderes Mädchen der Klasse stolz berichtet, sie dürfe dieses Jahr zusammen mit. einem anderen Kind der Klasse, dessen Eltern in Spanien zu Hause sind, in den Süden – Überwindung des Andersartigen, indem man es aus der Nähe betrachtet.

Und wer glaubt, alle Kinder schwämmen nur auf der beliebten Pommes frites- und Spaghetti-Welle, der irrt gewaltig; gerade „mal etwas ganz anderes essen“ machte für die Nachwuchs-Touristen einen ganz speziellen Reiz des Reisens aus. Und wenn man dann auch noch herumtoben darf, ohne daß sich jemand über den Lärm beschwert, dann bleibt eigentlich aus Kindersicht nur noch zu wünschen übrig, daß es an dem betreffenden Ort außerdem noch Tiere gibt – Tiere zum Anfassen und zum Spielen und zum Reiten. Heinke Kilian