ZEIT: Herr Haar, die Bundesbahn wird von Jahr zu Jahr mehr zu einem Problem, sowohl für den Bundesfinanzminister als auch für ihr Personal. Führt überhaupt noch ein Weg daran vorbei, die Zahl der Mitarbeiter drastisch zu reduzieren?

Haar: Die Bundesbahn muß weiter rationalisieren. Im Unterschied zum Finanz- und zum Verkehrsministerium lehnen wir aber einen personalpolitischen Kahlschlag ab. Die Bahn hat in den vergangenen zehn Jahren über 100 000 Mitarbeiter eingespart. Wenn man jetzt das Personal noch einmal um die gleiche Zahl reduzieren würde, dann hätte das einen enormen Qualitätsverlust für das Angebot der Bahn zur Folge. Wir können doch dieses Verkehrsangebot nicht immer mehr ausdünnen. Es geht doch nicht, daß wir wieder auf Jahre hinaus auf die Einstellung eines fähigen Nachwuchses verzichten.

ZEIT: Tatsache ist aber, daß die Bahn vielerorts ein Angebot macht, welches vom Publikum nicht mehr genügend angenommen wird.

Haar: Wir meinen, daß die Bundesbahn auch an die Minderheiten denken muß, die kein eigenes Fahrzeug besitzen. Die können wir nicht einfach stehenlassen.

ZEIT: Genügt es denn nicht, wenn man diesem Publikum an Stelle des zu teuren Schienenverkehrs Busse anbietet?

Haar: Durchaus. In der Praxis aber wird zunächst einfach nur gestrichen. Wir finden, wer streicht, sollte dabei ein verkehrspolitisches Konzept haben, Ich stimme in der Überlegung, daß sich die Bahn nicht einfach aus weiten Regionen zurückziehen darf, auch mit dem bayrischen Wirtschaftsminister Anton Jaumann (CSU) überein.

ZEIT: Hat Herr Jaumann Ihnen denn auch gesagt, ob er sich künftig an den Kosten der Bundesbahn beteiligen will – bislang brauchen die Länder dafür keinen Pfennig beizusteuern?