Die meisten Lehrherren lassen sich einen Ausbildungsplatz nicht abkaufen

Von Erika Martens

Eine Mutter reagierte empört. „Unmoralisch“ fand sie die Anzeige, in der eine Lehrstelle gegen Kostenbeteiligung gesucht wurde. Unmoralisch fanden den Text offenbar auch deutsche Tageszeitungen, die sich weigerten, das Inserat zu drucken.

Redakteure der ZEIT, die solche Offerten in deutschen Blättern unterbringen wollten, um geldgierigen Lehrherrn auf die Schliche zu kommen, meldeten jedenfalls häufig Fehlanzeigen. Hatten die Damen der Anzeigenaufnahme den ersten Satz noch voller Mitgefühl notiert, so wurde ihre Stimme beim zweiten Teil deutlich kühler.

Der Anstoß erregende Text: „Suche für meinen Sohn (mittlere Reife) interessante Lehrstelle (ohne Branchenbegrenzung). Biete 10 000 Mark Zuschuß zu den Ausbildungskosten.“

Als „unseriös“ abgelehnt

Von mehr als einemDutzend Versuchen bei Blättern in Hamburg, Frankfurt, Köln, München, Bonn und Mainz war nur jeder dritte erfolgreich. Die meisten Zeitungen lehnten es rundweg ab, den Text der Annonce zu veröffentlichen und verzichteten lieber auf die Einnahme. Sie nannten den Versuch, auf diese Art, eine Lehrstelle zu kaufen, schlicht „unseriös“ (Allgemeine Zeitung, Mainz) oder meinten, eine solche Annonce „entspricht nicht den Gepflogenheiten unseres Blattes“ (Kölner Stadtanzeiger). Andere lehnten ab, weil damit „gegen die Chancengleichheit für alle“ verstoßen werde (Hamburger Abendblatt, Abendzeitung, München).