Ihre Zahl entspricht inzwischen fast der Gesamtbevölkerung von Nürnberg. 451 300 Jugendliche suchten im März einen Ausbildungsplatz. 205 600 Jungen und 245 700 Mädchen wissen noch nicht, was sie nach Abschluß der Schule machen sollen. Die Zahl der gemeldeten Lehrstellen ging weiter zurück; wenn man Angebot und Nachfrage nach den Zahlen der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit vergleicht, gibt es über 100 000 Ausbildungsplätze zu wenig.

Im März vor drei Jahren war das Verhältnis umgekehrt: Es gab 80 000 Stellen mehr als Bewerber.

Auch wenn Bildungsministerin Dorothee Wilms den Aussagewert der Zahlen der Bundesanstalt für Arbeit für begrenzt hält – Helmut Kohls Wort von der „Lehrstellengarantie“ hat einen bitteren Beigeschmack bekommen. 10 000 Jugendliche, die sich direkt an den Kanzler gewendet haben, werden mit Formbriefen vertröstet. Frau Wilms verlangt von den Fünfzehn- bis Achtzehnjährigen mehr Mobilität, und sie weist darauf hin, daß es Anbieter und Bewerber gibt, die sich beim Arbeitsamt gar nicht melden. Die hat es aber immer gegeben – die schlimmen Zahlen aus Nürnberg erklärt das nicht.

„Der Trend geht auseinander, die Entwicklung wird sich fortsetzen“, sagt Pressesprecher Peter Gemählich von der Bundesanstalt für Arbeit. Er fügt hinzu: „In der Bundesanstalt hat nie jemand die Lehrstellengarantie gegeben.“

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„Projekt Hoffnung“ nennt Gisela Böhme, Vorstandsmitglied der „Wirtschaftsakademie für Lehrer“ in Bad Harzburg, den Modellversuch: Arbeitslose Lehrer sollen in einjährigen Fernstudiengängen für eine Tätigkeit im Wirtschaftsleben umgeschult werden.

Die Harzburger Akademie entwickelte das Konzept zusammen mit dem Bundesbildungsministerium, den Kultusministerien von Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz und der Bundesanstalt für Arbeit. Noch in diesem Herbst sollen die Kurse für 450 der vielleicht 30 000 Lehrer beginnen, die zur Zeit arbeitslos sind. Peter Pedell