Eist stiller um ihn geworden. Karliduard v. Schnitzler und sein Schwarzer Kanal" sind in die Jahre gekommen. Schnitzler wirkt alt, seine Haare sind weiß, die Brillengläser scheinen stärker. So hat er sich in seiner Sendung "Der schwarze Kanal" am vorigen Montag nicht etwa mit dem an diesem Tag leidenschaftlich diskutierten Tod am Grenzübergang Drewitz beschäftigt (was er früher bestimmt getan hätte), sondern ausschließlich mit Honduras und Nicaragua. Am 28. April wird der Chefkommentator des DDR Fernsehens 65 Jahre alt.

Er läßt mich in sein winziges Arbeitszimmer im Fernsehfunk in Berlin Adlershof "Hier sitze ich, seit ich angefangen habe, und hier bleibe ich, bis ich aufhöre", sagt er. Auch die Möbel scheinen nie ausgewechselt worden zu sein, die gelbschwarz gemusterte Bank, die dazu passenden Sessel. Die Tür ist gepolstert, überzogen mit Kunststoff, im matten Grün der fünfziger Jahre Überschriften aus westlichen Zeitungen sind darauf geklebt: "Marx ist mitverantwortlich für den Marxismus" und "Nur in Ostfriesland ist die Welt der SPD noch in Ordnung". Im Arbeitszimmer steht ein Kühlschrank, über dessen Tür ein Vierecktuch vom Berliner Fußballclub Dynamo hängt. Obendrauf steht der Fernsehapparat, ein neues Modell. Ein Stehpult ("Das ist gut für die Bandscheibe"), ein kleiner Schreibtisch mit Glasplatte, unter der Familienphotos stecken. In einer Nische stehen Miniaturwesen sein, Hemden und Anzüge soll er sich in Westberliner Schneiderateliers haben nähen lassen und das Westberliner Nachtleben regelmäßig und intensiv geben, daß ich sogar mein Toilettenpapier aus dem Westen beziehe", erinnert sich Schnitzler "Woher wohl - ich hatte doch nie West Pfennige "

Wie wird er damit fertig, von nur wenigen geliebt zu werden? "Zwei- bis dreimal im Jahr darf ich Freundbilder machen, neben all den Feindbildern des Schwarzen Kanals Reportagen über Rügen zum Beispiel oder, wie jetzt, über Suhl "Die Hälfte meiner Arbeit spielt sich in Foren ab. Ich gehe in die Betriebe, in die LPGs. Zwei Tage vorher fahre ich hin, sehe mich um, rede dann mit den Leuten. Und danach sagen sie: Jetzt werden wir uns auch mal den Schwärzen Kanal ansehen. Wir haben ja hier einen ganz anderen Schnitzler kennengelernt Er gibt zu: "Es ist mühsam, 17 Millionen auf diese Weise überzeugen zu wollen. Daß viele mich nicht mögen, nein, das schmerzt mich nicht "

Ob er außerhalb seiner Arbeit seinen Anspruch auf Zuneigung erfüllt bekommen hat? Sicher ist es nicht. Viermal habe ich geheiratet, das letzte Mal vor 23 Jahren Seine jetzige Frau ist Sängerin, Schauspielerin, Redakteurin. Sie stammt aus Ungarn. Der Sohn Stephan aus einer früheren Ehe hat sich letzte Weihnachten das Leben genommen, 42 Jahre alt "Steohan war ganz anders als ich", sagt