Um seine Nahost-Mission ist der amerikanische Außenminister George Shultz wahrlich nicht zu beneiden. Henry Kissinger war da 1973 in einer vergleichsweise aussichtsreicheren Situation: Damals wollten die Kriegsgegner Israel und Ägypten am Suezkanal ihre Truppen entflechten und damit den Grundstein für den Frieden legen.

Diesmal soll der Nothelfer aus Washington gleich mehrere Steine aus dem Weg räumen: den israelisch-syrischen Armeeabzug aus dem Libanon bewerkstelligen, israelisch-jordanische Gespräche über die Zukunft Westjordaniens initiieren und der Siedlungspolitik Begins Einhalt gebieten. Vor allem aber soll der Außenminister seinem Präsidenten aus der Patsche helfen: Reagans Friedensinitiative vom letzten September ist für Araber wie Israelis keinen Pfifferling mehr wert.

Shultz, seit zehn Monaten im Amt und auf seiner ersten schwierigen Auslandsmission, strahlte in Kairo noch Optimismus aus: Wir werden es schaffen. Aber schon bei seiner nächsten Station, in Jerusalem, wird er erfahren, wie unberechtigt seine professionelle Zuversicht ist: Die Amerikaner haben sich wieder einmal verschätzt, indem sie glaubten, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können – daß sich die Israelis so einfach aus dem Libanon zurückziehen werden, um dann – als Draufgabe – anschließend auch noch Westjordanien zu räumen. Da sei Begin vor, und, wie sich diesmal gezeigt hat, auch die Araber.

Ronald Reagan hat zu viel auf einmal gewollt. Daran wird auch sein Sendbote nichts mehr ändern können. D. St.