Von Professor Jan Szczepanski

Von September 1980 bis Dezember 1981 schien die Solidarnořć eine spontane Kraft zu sein, die unbeirrbar das gesellschaftlich-politische Antlitz Polens umgestaltete. Doch im Dezember 1981 wurde die Solidarnořć suspendiert; im Oktober 1982 wurde durch Gesetz die Registrierung aller drei Gewerkschaftszentralen, darunter auch die der Solidarnořć, für ungültig erklärt. War die Solidarnořć nur eine vorübergehende Erscheinung, ein Strohfeuer, das mit starker Flamme aufloderte, aber nur Asche hinterließ? Oder war sie der Ausdruck eines tiefgreifenden Prozesses, der dauerhafte Elemente in der polnischen Wirklichkeit hinterließ?

Was erwarteten von ihr jene etwa neun Millionen Mitglieder, und was haben sie in ihr gefunden? Warum sind etwa acht Millionen in der polnischen Volkswirtschaft Beschäftigte der Solidarnosc nicht beigetreten?

Um auf diese Frage zu antworten, müssen wir eine Reihe von Faktoren analysieren:

a) die Erscheinungen und Prozesse, welche die Revolte im Jahre 1980 auslösten,

b) die Maßnahmen der Solidarnořć, die auf die Lösung eben dieser Probleme zielten, und die von der Solidarnořć ausgelösten neuen Prozesse,

c) die Erscheinungen und Prozesse als Folge des Kriegszustandes. Von diesen drei Problemkreisen, ihren Lösungen oder dem Ausbleiben von Lösungen, wird die künftige Entwicklung eines Polens ohne Solidarnořć bestimmt.