Nina Grunenberg: „Ihm winken keine Siege mehr“, ZEIT Nr. 13

Den schweren Brocken aus Bayerns Gefilden habe ich nie gemocht. Seine Grobschlächtigkeit, sein Bramarbasieren, seine Unfähigkeit zur Selbstkritik haben mich zu oft verletzt.

Und doch habe ich mich immer wieder zur Objektivität in der Beurteilung seines politischen Wirkens ermahnt, weil ich weiß, daß Ellbogenkraft und Schaustellerei leider zum Geschäft unserer Politiker gehören. Doch dann hat der Mensch Strauß dem Politiker Strauß immer wieder im Wege gestanden, und ich habe meinen Objektivitätsversuch belächeln müssen.

Nun hat Nina Grunenberg für ihn einen milden Abgesang geschrieben und darin auch vermerkt, daß dieses Parteipolitikers Grenzen eben Bayerns Grenzen sind und bleiben werden.

Hat die Bundesrepublik nun einen Verlust zu beklagen?

Nein, denn unser so politikfremd erzogenes Volk braucht unbedingt nach den Millionenopfern zweier Weltkriege noch eine lange Zeit der Besonnenheit, der Abkehr von Überheblichkeit und Abscheu vor politischen Gaukeleien – und zwar ohne jeden Störfaktor. Kurt Boddin, Hamburg

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