Der Aristoteles-Schüler und Philosoph Theophrast (371-287 v. Chr.) begegnete in seinem Leben einer Menge unangenehmer Menschen. Einige dieser offenbar zeitlosen Ärgerlinge hat er in seinen „Charakterbildern“ beschrieben.

Der Mitteilungsbedürftige

Mitteilungsbedürfnis drückt sich in endlosem und unkontrolliertem Geschwätz aus.

Der Mitteilungsbedürftige setzt sich etwa nahe zu jemandem, den er gar nicht kennt, und hält zuerst eine Lobrede auf seine eigene Frau. Dann erzählt er, was ihm diese Nacht geträumt hat. Darauf geht er Punkt für Punkt durch, was es zu Mittag gegeben hat.

Wenn nun seine Mitteilungsfreude einmal im Schwung ist, spricht er davon, wieviel schlimmer die Menschen heute sind als in der guten alten Zeit, wie die Kornpreise auf dem Markt gefallen sind, wie der Fremdenverkehr zugenommen hat und daß die See nach dem Winter wieder schiffbar wird. Auch würden die Feldfrüchte besser stehen, wenn der Himmel mehr Regen schickte. Übrigens wolle er übers Jahr sein Land anbauen. Ja, das Leben sei nicht leicht in diesen Zeiten!

„Damippos hat bei den Mysterienfeiern die größte Fackel aufgestellt. Wieviel Säulen hat eigentlich das Odeion? Gestern habe ich mich übergeben. Welchen Tag haben wir denn heute? Die Mysterien fallen auf den September, das Familienfest auf den Oktober und das Fest des ländlichen Dionysos auf den Dezember.“

Und hält es jemand bei ihm aus, dann läßt er ihn überhaupt nicht mehr los.