Von Hans-Harald Bräutigam

Gesundheit ist teuer und kommt uns immer teurer zu stehen. Politiker und Gewerkschaftler, Funktionäre der Krankenkassen und der Ärzteverbände, Patienten und Ärzte – alle wollen ein leistungsfähiges, aber bezahlbares Gesundheitssystem. Es gibt mittlerweile viele Vorschläge, wie das erreicht werden kann; wenige davon – und nicht die besten – wurden in die Tat umgesetzt.

So sollen jetzt Heilmittel für sogenannte Bagatellerkrankungen nicht mehr von den Krankenkassen bezahlt werden. Die von den Kassenärztlichen Vereinigungen vertretenen Ärzte haben, wenn auch widerwillig, einen Honorarstopp angeboten. Ärzte, die in Praxis oder Krankenhaus Privatpatienten behandeln, müssen seit dem 1. Januar 1983 ihre Honorarforderung nach einer neuen amtlichen Gebührenordnung ausrichten. Die privaten Krankenkassen freut dies sehr; manche Ärzte sind darüber nicht so glücklich.

Aber auch die Patienten werden zur Kasse gebeten. Sie sollen für die ersten vierzehn Tage des stationären Aufenthaltes täglich fünf Mark entrichten. Die Verwaltungen der Krankenhäuser stöhnen jetzt schon über den damit verbundenen Buchungsaufwand, da diese Beträge mit den Krankenkassen verrechnet werden müssen. Das Krankenhaus kann von den Maßnahmen zur Kostendämpfung kaum ausgenommen werden, verschlingt es doch fast 30 Milliarden Mark jährlich für Behandlung und Pflege der Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherungen. Bundesarbeitsminister Norbert Blüm will jetzt die gesetzliche Regelung der Krankenhausfinanzierung überprüfen. Korrekturen sollen angebracht werden an dem Krankenhausfinanzierungsgesetz, das im Jahre 1972 von der sozial-liberalen Koalition eingebracht wurde. Damals schon hieß es im Gesetz, daß das Krankenhaus wirtschaftlich und leistungsfähig zu sein habe.

Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit hängen eng zusammen. Leistungen sind nicht ohne Kosten zu haben, und Wirtschaftlichkeit kann bei zu kostenintensiven Leistungen in Gefahr geraten. Die galoppierenden Pflegesätze der Krankenhäuser entsprechen auch ihrer gestiegenen Leistungsfähigkeit.

Über den Begriff der Leistungsfähigkeit brauchen nicht viele Worte verloren zu werden. Diagnostische und therapeutische Leistungen, intensive Krankenhauspflege, aber auch ärztliche Tätigkeit in Forschung und Lehre machen den Krankenhausalltag aus. Alle im Krankenhaus Tätigen sind daher von ihrer Leistungsfähigkeit durchaus überzeugt, ja, nicht selten vermuten sie, daß die Leistungsfähigkeit noch gesteigert werden könnte durch den Einsatz von mehr Personal, von mehr technisch-ärztlichem Gerät und durch mehr Investitionen. Der Geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft teilte kürzlich mit, daß im Krankenhausbereich ein Investitionsstau von über 15 Milliarden Mark bestehe.

Der Begriff der Wirtschaftlichkeit im Krankenhaus ist nicht so mühelos zu definieren. Zu fragen ist, ob der Lehrsatz der Betriebswirtschaftslehre, wonach die Realisierung des ökonomischen Prinzips dann als gelungen gelten könne, wenn mit geringstmöglichen Mitteln größtmögliche Erträge erzielt werden, auch für das Krankenhaus gelten kann. Zweifel sind wohl erlaubt, ob die Übertragung dieses erwerbswirtschaftlichen Prinzips auf das Krankenhaus angemessen ist. So erkennen Krankenhausärzte mit wachsendem Unbehagen, daß die von den Landesbehörden erteilten Prüfungsaufträge an Wirtschaftsprüfer-Gesellschaften offensichtlich nur das Ziel haben, mit einer – oft auch nur oberflächlichen – Wirtschaftsanalyse eine Kostentransparenz zu erreichen. Die meisten der aus der Gesundheitsbürokratie kommenden Verfechter dieser Ideen erkennen anscheinend nicht, daß mit der schließlich erreichten Kostentransparenz eine höhere Wirtschaftlichkeit im Krankenhaus sich nicht automatisch einstellt.