Reinbek

Gut Silk erreicht man heute am besten zu Fuß. Der Europawanderweg führt östlich von Hamburg am fast verlassenen Gutshof auf einer Allee zwischen Wäldchen und Ackerland vorbei. Der Hof und seine Umgebung gehören Andreas Graf von Bismarck, einem Urenkel des Eisernen Kanzlers. Er lebt in München; um die Verpachtung seines Eigentums im Norden haben sich bisher seine Anwälte gekümmert. Das soll jetzt anders werden.

Die 100 Hektar Land am Ufer der Bille sind gerade groß genug für ein Projekt des Grafen, für das die Maisfelder und die alten Gebäude verschwinden müßten: Aus dem verschlafenen Gut Silk soll der größte Golfplatz Deutschlands werden, 27 Löcher, dazu Tennisplätze und 60 bis 90 Appartements für die Golfer. Außerdem Parkplätze – die Sportler werden nicht mehr zu Fuß anreisen.

Die Idee rief Anlieger und Naturschützer auf den Plan, es entstand eine „Interessengemeinschaft Rettet Gut Silk“. Die Mitglieder befürchten, daß aus der „grünen Oase“, die heute Naherholungsgebiet für die Reinbeker und Hamburger ist, ein luxuriöses Sport- und Freizeitzentrum wird. Für Wanderer wäre dann vielleicht kein Platz mehr. „Golfplatz, Betreten verboten, Lebensgefahr“, heißt es anderenorts, wo die weißen Kugeln fliegen.

Andreas von Bismarck sieht rot, wenn er von der Interessengemeinschaft hört. Sein Urteil: „Klassenkämpferische Politaktion“, initiiert von der SPD, um „ihrem fragwürdigen Ziel der Veränderung unseres Gesellschaftssystems näherzukommen“.

Da die Auseinandersetzung sich im 20. Jahrhundert abspielt, wird der Kampf zwischen Adel und Volk nicht mit Schwert und Degen ausgefochten, sondern mit den Waffen der Neuzeit. Das sind Planungsvoranfragen und Unterschriftenlisten, Flächennutzungs- und Bebauungspläne, ökologische Gutachten und Flugblätter.

Handicaps gehören zum Golfspiel. Andreas von Bismarck, selbst Golfer, hatte in den letzten jähren schon verschiedene Ideen, um aus seinem Gut eine Investition zu machen. Zuerst war es ein „Aqua-Circus“, dann eine Reiterpension, schließlich das „Sportzentrum Dorf Sachsenwald“. Die Neue Heimat warb schon 1979 in Anzeigen für Einfamilienhäuser an der Bille: „Nahe dem geplanten ‚Sportpark Gut Silk‘ – mit allen Möglichkeiten für Sport, Freizeit und Erholung“. Die Politiker spielten damals noch nicht mit, die Parteien im Reinbeker Kommunalparlament lehnten Bismarcks Pläne ab.