„Ich bin in einer Stadt aufgewachsen, die so groß ist wie Dein Eßzimmer“.

Dialog aus der neuen ZDF-Serie „Der Denver Clan“. Jeden Mittwoch neu. Den Pilot-Film am letzten Mittwoch sahen 15 Millionen Zuschauer.

Heinz Erhardt: Der letzte Schrei

Humphrey Bogart ist out, Groucho Marx auch nur noch ein Mann von gestern. Die deutschen Programmkinos haben eine neue Kultfigur für ihr mehr oder weniger alternativ gesinntes Publikum entdeckt: einen rundlichen Mittfünfziger mit Hornbrille und Doppelkinn, keinen Revolutionär, sondern einen listigen Buchhalter. Ob im Hamburger „Abaton“ oder in der Essener „Filmbühne“: In allemal ausverkauften Spätvorstellungen feiern Studenten, Schüler und anderes junges Volk den deutschen Komiker Heinz Erhardt. Ein Star der Ära Adenauer, ein Star für die „Wende“: In Filmen wie „Das kann doch unseren Willi nicht erschüttern“, „Drillinge an Bord“ oder „Der letzte Fußgänger“ tritt Erhardt als kauziger Kleinbürger höchstens mit sanften Kalauern gegen die Obrigkeit an. Die plötzliche Renaissance seiner Filme kommt für den Erfinder vieler goldener Sätze („Lieber eine Stumme im Bett als eine Taube auf dem Dach“) allerdings einige Jahre zu spät: Heinz Erhardt starb 1979, acht Jahre nach einem Schlaganfall, der seine Laufbahn jäh beendete.

Jerzy Andrzejewski

Er war einmal der poeta laureatus der Volksrepublik Polen. Doch bald lernten ihn die Machtnaber als Stimme des Gewissens fürchten – und schwiegen ihn tot. Der 1909 geborene Andrzejewski, der unter deutscher Besetzung in einer Widerstandsgruppe gekämpft hatte, schloß sich nach dem Krieg der Kommunistischen Partei an, als einer jener Intellektuellen aus dem altpolnischen katholischen Milieu, auf deren Konversion die Funktionäre besonders stolz waren. Auf parteifromme Proklamationen folgten aber bald Werke, mit denen Andrzejewski zu einem geistigen Wegbereiter des Oktoberaufstandes von 1956 wurde. Als die von ihm geleitete Zeitschrift Europa verboten wurde, trat er 1957 aus der Partei aus. 1968 wurde er beschuldigt, einer der Mitverantwortlichen für die Studentenunruhen zu sein, auch weil er den Einmarsch von Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei angeklagt hat. Zehn Jahre später war der Schriftsteller wieder dabei, als mit der Gründung des „Komitees zur gesellschaftlichen Selbstverteidigung“ (KOR) der Versuch begann, in einem totalitären Staat für Menschen- und Bürgerrechte zu kämpfen. Politik und Literatur: im Leben des am 19. April in Warschau gestorbenen Jerzy Andrzejewski waren sie stets eine Einheit. Berühmt wurde er vor allem durch seinen Roman über das Polen nach dem Krieg, „Asche und Diamant“ (1948), den Andrzej Wajda 1958 verfilmt hat. In diesem Buch stehen die noch immer aktuellen Sätze: „Polen ist ein trauriges Land. Lauter bittere Enttäuschungen ... Ja, wir haben den Bürgerkrieg, obwohl er anders genannt wird.“

Bibliotheca Afghanica

Wenn eine private Initiative zur Bewahrung einer bedrohten Kultur so erfolgreich arbeitet, daß der private Rahmen gesprengt wird, ist das schwierig: Vor Problemen steht die „Bibliotheca Afghanica“ im schweizerischen Liestal, ein privates Archiv, das wegen steigender Belastung in eine Stiftung umgewandelt werden soll. Die einzige Afghanistan-Bibliothek im deutschsprachigen Raum wurde 1968 von Paul Bucherer gegründet und ist seit 1976 der Öffentlichkeit zugänglich. Sie umfaßt eine Büchersammlung von 5400 Bänden, Zeitschriften, Karten, Dias, Photos und Filme, ethnologisch interessante Objekte und eine Dokumentation von Zeitungsausschnitten seit 1977. Um das Fortbestehen zu sichern, muß ein Stiftungskapital von 50 000 Schweizer Franken aufgebracht werden. Rund 30 000 Franken sind bereits durch Spenden europäischer und afghanischer Wissenschaftler zusammengekommen. (Sperrkonto für Spenden bei der Basellandschaftlichen Hypothekenbank in Liestal: Postscheckkonto 40-483, „Stiftung Bibliotheca Afghanica“, Kt.-Nr. 8.29103.)