Für Sammler

Jerry Lee Lewis: „The San Years“. Mehr noch als auf seinen – nur! – vier großen Single-Hits basiert die Legende des Jerry Lee Lewis auf seinen entfesselten Bühnenshows, die der wilde Mann des Rock ’n’ Roll-Piano zelebrierte. Der Hillbilly-Redneck aus dem amerikanischen Süden war, nicht zuletzt wegen der Skandal-Ehe mit seiner 13jährigen Cousine, mehr noch als Elvis Presley ein Schreckgespenst für die Eltern der Eisenhower-Ära: ein lebender Hinterwäldler mit schrecklichen Manieren, der seine proletarische Mentalität nicht verheimlichte und schon gar nicht das Image eines Südstaaten-Kavaliers erwarb. In der jetzt auf Charly Records in England veröffentlichten 12-LP-Kassette findet man alle 209 Aufnahmen dokumentiert, die er zwischen 1956 und 1963 für das Sun-Label des Rock ’n’ Roll-Pioniers Sam Phillips einspielte: ein Fest für Sammler, die von der Geschichte des Rockabilly fasziniert sind, und die Geschichte eines Mannes, den Phillips zwar als „the greatest rocket of them all“ pries, der es aber gerade deswegen nie verwand, daß er hinter Elvis immer nur die Nummer Zwei geblieben ist. (Sun 102/Teldec Import Service) Franz Schüler

Wohltätig

„Willi a little help from my friends“ – das heißt hier nun ganz genau: mit der kleinen Hilfe von zwei Mark, die von jeder verkauften Platte abfallen, wird der Musik-Kneipe in Hamburg-Eppendorf, mehr: wird der Kult- und Pflegestätte von Jazz und Rock das Leben, sagen wir, das Überleben erleichtert. Jeder, wie fern er auch wohnt und gleich, ob er es jemals betreten hat, kennt das Lokal: Onkel Pös Carnegie Hall. Da die Musiker – also ihre Gagen, Flug- und Fahrkarten, Hotelzimmer – teuer geworden sind, ergeht es ihr nicht anders als anderen Kulturinstituten: mit Eintrittsgeld und Verzehr läßt sich das nicht mehr bezahlen. Freilich wird das geehrte Publikum der Kauf der Platte nicht reuen. Gewiß kennt es das alles schon, aber nicht in dieser eigenartigen Mixtur. Es sind lauter alte Onkel-Pö-Renner mit Lindenberg und Lucio Dalla, Al Jarreau und Helen Schneider, Joe Cocker und Mink de Ville und ein paar andere. Eine temperamentvolle Versammlung, die in dieser Darbietung dem Live-Ereignis eins voraus hat: Man braucht sich keine Watte in die Ohren zu stopfen. (RCA NL 28531) Manfred Sack