Das Unglück bei Hapag-Lloyd begann, als der Vorstand sich mit der Schiffahrt, von der er etwas verstand, nicht mehr zufriedengeben wollte, sondern sich berufen fühlte, aus der Reederei einen Transportkonzern zu machen.

Den Anfang machte er mit der Gründung einer eigenen Fluggesellschaft. Sie entwickelte sich nach und nach zu einer blutenden Wunde, die wahrscheinlich erst in diesem Jahr endlich geschlossen werden kann.

Zu einem ausgesprochenen Flop entwickelte sich die Speditionsgruppe Pracht. Sie war bereits angeschlagen, als Hapag-Lloyd sie zum Nulltarif im Jahre 1980 übernahm. Bei ihr waren die Schwierigkeiten unterschätzt worden. Insgesamt dürfte Pracht der Hapag-Lloyd AG rund 90 Millionen Mark Verlust gebracht haben. Bisher hat sich niemand gefunden, der bei der Sanierung von Pracht mithelfen will, obwohl Hapag-Lloyd eine Beteiligung daran nahezu jedem in Frage kommenden Unternehmen angeboten hat.

Kostspielig geworden ist auch der Ausflug in die Massengutschiffahrt, die unter der Firma „Kosmos“ Bulkschiffahrt GmbH, Bremen, betrieben worden ist. „Kosmos“ stellt zum 30. September 1983 den Betrieb ein. In der Bilanz für 1982 wurden für diese Unglückstochter rund 96 Millionen Mark zurückgestellt. Die Massengutschiffe werden bis dahin alle verkauft sein. Nicht losgeworden ist Hapag-Lloyd den 390 000-tdw.-Tanker „Bonn“, der aus der Pleite des griechischen Reeders Colocotronis stammt. Er wird jetzt in Brunei aufgelegt und verursacht jährliche Kosten von 1,6 Millionen Mark. Ob sich das Warten auf bessere Zeiten bezahlt machen wird, muß sich erst noch zeigen.

Zu einem Problemfall scheint sich jetzt auch die Werft in Bremerhaven zu entwickeln. Sie möchte der Vorstand gern in die an der Weser diskutierte große Werftenfusion einbringen. Auch hier gibt es noch Fragezeichen, und niemand weiß im Augenblick, welche finanzielle Belastung daraus für Hapag-Lloyd entstehen wird.

Immerhin versichert der neue Finanzvorstand Bernd Wrede, daß in der Bilanz für 1982 alle bis zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung erkennbaren Risiken berücksichtigt worden sind. Dies war allerdings nur durch die Mobilisierung der letzten noch vorhandenen stillen Reserven möglich. Durch den Verkauf des Verwaltungsgebäudes am Hamburger Ballindamm und fünf Seeschiffen sowie durch die Auflösung noch vorhandener Rücklagen sind rund 220 Millionen zum Ausgleich der „außerordentlichen Verluste“ zusammengekommen.

Für die „ordentlichen“ Verluste aus der Linienschiffahrt im Jahre 1982 muß Kapitalerhöhung Nr. 1 herhalten. Das Minus wird auf 70 Millionen Mark geschätzt. Damit wird die Gesellschaft 1983 nicht auskommen. Inzwischen hat sich der Wettbewerb auf dem Nordatlantik und zur Westküste der USA so verschärft, daß eine Verschlechterung des Betriebsergebnisses um rund 100 Millionen Mark befürchtet werden muß. Ihrem Ausgleich dient dann die Kapitalaufstockung Nr. 2.