Hamburg

Machen wir uns doch nichts vor; auf den ersten Blick sieht die Skulptur so aus, als würde ein schwangerer Elvis Presley mitten im Flamenco von Wehen befallen sein: Ole, oje. Dagegen spricht eigentlich nur das (mittlerweile von Frevlerhänden grün überpinselte) stramme Symbol seiner Männlichkeit.

Auf dem Hamburger Karl-Legien-Platz, mitten im Stadtzentrum, stellt zur Zeit der Bildhauer Bernd Stöcker (Jahrgang 52) seine Skulpturen aus. Eine von ihnen ist dem 1977 verstorbenen König des Rock ’n’ Roll, Elvis Presley, nachempfunden und nachgestaltet. Und an diesem Kunstwerk gehen die Hamburger nicht vorbei, ohne sich zu engagieren.

Weil nun in einer Millionen-Stadt wie Hamburg die Kunst-Kenner, zumal in der Nähe des Hauptbahnhofs, eine Minderheit sind, bekommen diesen aus Muschelkalk geformten Elvis Presley vor allem Menschen zu sehen, deren Blick an der Realität geschärft ist. Und die lachen sich entweder kaputt, oder sie schimpfen, auf den Künstler.

Da steht ihnen auf dem Trampelpfad zwischen Gewerkschaftshaus und Omnibus-Bahnhof also ein steinerner Mensch im Wege, der ihnen bekannt vorkommt. Er hält ein Mikrophon in der Hand und trägt – selbst die Haartolle ist realistisch nachgeformt – zweifellos die Gesichtszüge des großen Rock-Idols.

So weit, so gut. Aber unterhalb der Gürtellinie wird’s ironisch. Ein Bäuchlein kündet vom satten Leben, die feisten Hüften sind („Elvis pelvis“) überdeutlich modelliert, die kurzen Beine knicken ein. Ein Häufchen Mensch also statt des immer noch angehimmelten Stars.

Es ist Rush-hour in Hamburg. Die Leute, die zum ZOB wollen oder zum Hauptbahnhof, lassen sich wenig Zeit. Aber es reicht für Kommentare im Vorübergehen.