Von Hans Dräxler

Weiß der Himmel, wie wir auf das Drei-Seen-Gebiet der Region Latium verfielen, als wir ein Gebiet für unsere Fahrradtour suchten. Vielleicht, weil uns Freunde vom bekannteren der drei, dem Bolsena-See, vorgeschwärmt hatten. Vielleicht auch, weil das Gelände auf der Landkarte nicht gar so gebirgig ausgesehen hatte.

Gleich zu Beginn ging’s aber dann doch ziemlich steil bergan. Orvieto-Bolsena, das sind nur 23 Kilometer, aber in Serpentinen und schiefen Ebenen von 180 auf 590 Meter.

Und dieser Durst! An der ersten Trattoria nach acht steilen Kilometern steht auch noch das Schild: „chiuso“. Doch der Wirt lädt uns dennoch in seine Laube ein und schenkt einen Liter Mineralwasser aus. Bezahlen läßt er uns nicht. „Ist ja nur Wasser“, sagt er lächelnd.

Vor Bolsena eine letzte Steigung durch Weizenfelder mit roten Mohn- und blauen Kornblumen. Und dann, vom Bergkamm aus, sehen wir den See: Im seidigen Licht des frühen Nachmittags liegt er unter uns, eingerahmt von Hügeln, das fernere Ufer verschwindet fast im Dunst.

Der Lago di Bolsena ist wie seine beiden Nachbarseen, der Lago di Vico und der Lago di Bracciano, vulkanischen Ursprungs. Die Wellen haben das Gestein zu schwarzem feinkörnigem Sand zermahlen. Doch anders als das nahe Meer ist der See ein ökologisches Refugium. „Hier gibt’s noch keine Industrie“, sagt stolz ein junger Einheimischer, der ein Stück des Weges mit uns radelt, „deshalb ist alles noch in Ordnung.“

Von Bolsena aus rollen wir weiter, hinauf ins finstere, von einer mächtigen Kirche überschattete Montefiascone, wo sich einst ein reicher Fugger am „Est Est Est“, dem bernsteinfarbenen kräftigen Wein der umliegenden Hänge, totgesoffen haben soll. Wir begnügen uns mit einem Liter und schlafen wie Tote.