Mit Discountpreisen für neue Blätter kämpfen die Verlage um Käufer und Marktanteile

Es war fast wie in den ersten Jahren der jungen Republik, als die BILD-Zeitung als Groschen-Blatt auf den Markt kam. Letzte Woche erschienen gleich zwei neue Zeitschriften, die zum Preis von nur dreißig Pfennig auf dem Markt zu haben waren: die Bildwoche vom Axel Springer Verlag und auf einen Blick vom Heinrich Bauer Verlag. Auch diese Woche sind die beiden Neuen – eine Mischung TV-Programm und seichter aktueller Unterhaltung, Rätseln und Regenbogenstorys – noch einmal zum Discountpreis von drei Groschen zu haben – dann allerdings geht es aufwärts mit den Preisen. Achtzig oder neunzig Pfennig sollen die Blätter künftig kosten.

Mit Preis und Programm kupferten die beiden Verlagsgiganten eine neue Zeitschriftenidee, die erst drei Wochen alt und auf Anhieb erfolgreich ist. Anfang September hatte Helmut Markwort, agiler Chefredakteur der Funk- und TV-Illustrierten Gong, mit dem Titel die zwei ein billiges Programmheft kreiert, das kräftig durchmischt ist mit neuestem Klatsch und Tratsch.

Um seinem Blatt einen flotten Start zu verschaffen, verkaufte er es in den ersten beiden Wochen für nur fünfzig Pfennig pro Heft. Letzte Woche wurde die zwei auf den endgültigen Marktpreis angehoben: neunzig Pfennig. Die Startauflage von 1,5 Millionen Exemplaren war denn auch keineswegs übertrieben: Über 900 000 Stück wurden von der ersten Auflage verkauft, von der zweiten schon über eine Million. Und selbst von der dritten – nun neunzig Pfennig teuren – Nummer gingen über 600 000 Stück weg.

Kein Wunder also, daß sich die beiden Großverlage herausgefordert fühlten. Zwar wollte Helmut Markwort, wie er versichert, „nur eine billige Programmzeitschrift machen – wie die anderen auch“. Doch listig machte er sein neues Blatt einen Groschen billiger als die Konkurrenz. Springers Funkuhr und Bauers Fernsehwoche mußten um ihre Erfolge als Billig-Angebote fürchten.

Wie gut Markwort, Macher im kleinen Münchner Gong- Verlag, derzeit das Rezept für preisgünstige Verkaufshits beherrscht, mußten die erfolgsgewohnten Giganten schon im Jahre 1979 erfahren, als der Gong-Chefredakteur seine Frauenzeitschrift die aktuelle auf Anhieb zum Renner auf dem Markt machte. Erst spät konterten Springer und Bauer: Im März diese Jahres lancierten die Springer-Strategen ihr Bild der Frau, eine montags erscheinende Wochenzeitung zum Niedrigpreis von fünfzig Pfennig; Bauer gelang der Durchbrach erst im zweiten Versuch. Im Juni startete das Frauenblatt die neue, mit 1,20 DM noch fünfzig Pfennig billiger als Markworts aktuelle.

Dieses Mal zögerten die Großverlage nicht so lange. „Jetzt wurden wir“, klagt Gerd Bolls, Mitglied der Bauer-Geschäfsleitung, „gleich an zwei Märkten angegriffen: bei den Programmzeitschriften und bei den unterhaltenden Frauenzeitschriften.“ Der Bauer-Verlag schlug zurück mit auf einen Blick. Startauflage: 1,2 Millionen Exemplare.