Wenn einer mal anfängt, dann ist das für andere ein Signal. Als die Westdeutsche Landesbank (WestLB) aus Düsseldorf am wichtigsten deutschen Bankenplatz Frankfurt eine Dependance eröffnete, zog die Bayerische Landesbank, nach der WestLB die Nummer zwei unter den Landesbanken, kurz darauf nach. Jetzt ist es die WestLB, die nachzieht. Es war nämlich die Bayerische Landesbank, die sich als erste Landesbank einen Lobbyisten in Bonn angelte. Es ist der frühere Bonner Flick-Lobbyist, Walter Schmitz, stellvertretender Vorsitzender des Bundes Katholischer Unternehmer und in seiner Flick-Zeit auch Spenden-Bote in Sachen Parteienhilfe. Die WestLB schickt jetzt mit Wolfram Dorn einen Mann in ihre neue Bonner Verbindungsstelle, der hier ein alter Bekannter ist. Dorn war lange Jahre FDP MdB, einige Zeit Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium. Nach 1972 geriet er etwas in Vergessenheit – ein Beratervertrag brachte ihm negative Schlagzeilen. 1975 gelang ihm ein politisches Comeback als FDP-Landtagsabgeordneter in Düsseldorf. 1980 aber flog er mit der FDP aus dem Landesparlament. Seit 1982 gehört Dorn zum Vorstandsstab der WestLB. Über die Motive der Landesbanken, sich eigene Verbindungsstellen in Bonn zu leisten, hört man: Unzufriedenheit mit den Bonner Dachorganisationen, dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband und dem Verband öffentlicher Banken. Andererseits gebietet das Ausmaß der Geschäfte der Landesbanken, in der Hauptstadt präsent zu sein. Die Bonner Gastronomie wird sich über den Zulauf der neuen Spesenmacher freuen.

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Die deutsche Rüstungsindustrie, bekannt dafür, daß sie gern auf altgediente Bundeswehr-Kameraden zurückgreift, wenn die nur über ausreichendes Insider-Wissen verfügen, kann endlich auch einen Erfolg unter den noch aktiven Offizieren melden. Der Fregattenkapitän Klaus-Dieter Eule, Marine-Referent im Verteidigungsministerium, ergriff in der Zeitschrift Marine Forum massiv Partei für die Freunde des Rüstungsexports. Eule verlangt eine deutliche Abkehr von der bisher mehr restriktiven Rüstungsexport-Politik der Bundesregierung. Eule: „Zunächst bedarf es einer grundlegenden Änderung unserer Einstellung zum Kriegsschiff-Export. Er ist für unsere Marine und für das Überleben unserer Werken notwendig.“ Weiter empfiehlt der Offizier ganz im Sinne der notleidenden Industrie: „Die Unterstützung unserer Industrie bei den Bemühungen um Aufträge für den Kriegsschiff-Export muß im Denken der Marine-Offiziere einen positiven Stellenwert gewinnen. Der offene Dialog mit der Industrie muß gefördert werden. Es sollte nichts Ungewöhnliches darstellen, wenn Marine-Offiziere die Industrie in Unterstützungs- und taktischen Angelegenheiten mit offizieller Genehmigung beraten.“ Für die Marine-Industrie, die dank hochrangiger Bonner Beziehungen schon immer etwas mehr exportieren durfte als die übrige Kriegswaffen-Branche, ist Klaus-Dieter Eule mit seinen flotten Sprüchen unbezahlbar. Wo gibt es solche Förderung ansonsten schon ganz umsonst. Immerhin: Wenn Eule mal aus dem aktiven Dienst ausscheidet, wird man sich seiner gewiß erinnern.

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Dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung in Koblenz steht ein neuer Präsident ins Haus. Der amtierende Otto Greve ist zwar erst 62 Jahre alt und damit keineswegs im Pensionierungsalter, aber gutes Zureden half beim SPD-Mitglied Greve, den Wunsch nach vorzeitiger Pensionierung zu wecken. Manfred Wörner, Verteidigungsminister, ging auf den Wunsch prompt ein. Mit Zureden allein war es bei Greve aber nicht getan. Und so gab es beim Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie vor kurzem einen Beschluß, wieder einen sogenannten Präsidial-Geschäftsführer zu bestellen. Das hat man früher auch schon mal versucht, wenn es galt, jemanden gut unterzubringen, um damit dem Verteidigungsminister einen Gefallen zu tun. Zur Pension von etwa 7000 Mark bekommt der neue Präsidial-Geschäftsführer des BDLI noch ein bescheidenes Zubrot: gute 10 000 Mark, behauptet das Branchen-Info Wehrdienst. Für Verteidigungsminister Manfred Wörner bringt Greves vorzeitiger Abschied die Möglichkeit, ein wenig mit dem Personal zu jonglieren. Denn Wörner kann jetzt nicht nur den Posten in Koblenz mit einem Mann seiner Wahl besetzen, er sucht überdies noch einen beamteten Staatssekretär für die Rüstung.

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Eine kuriose Sache unterlief der Redaktion des „Gemeinsamen Ministerialblattes“ der Bonner Ministerien, meist ein Langweiler par excellence, in dem die Leser vergeblich nach Vertraulichkeiten suchen. In der Nummer 22 ist dem Blatt aber doch mal etwas durchgerutscht, was eigentlich gar nicht an die große Glocke gehört. Das Amtsblatt verkündete die Namen von zwei Geheimnisträgern aus dem Innenministerium. Es handelt sich um die beiden technischen Regierungsoberinspektoren Rudolf Gasper und Wilfried Näckel aus Bonn. Beide haben von ihrem Minister Friedrich Zimmermann eine Geldprämie von je 500 Mark bekommen. Der Anlaß: Gasper und Näckel haben im Rahmen des „Vorschlagwesens in der Bundesverwaltung“ einen „Geheimvorschlag“ gemacht. Mehr hat das Blatt zwar nicht verraten, der Hinweis und die Namen dürfte kundigen Geheimdienststrategen aber genügen, um sich nun an Geheimnisse der beiden heranzupirschen. 1000 Mark für einen Verbesserungsvorschlag gibt es selten. Wolfgang Hoffmann