Die Beschäftigungskrise kann nicht durch ein Patentrezept überwunden werden

Von Karlheinz Kleps

Ein Arzt, der Masern, Bronchitis, Diabetes, Leukämie und Fußpilz mit ein und demselben Medikament behandeln wollte, ohne sich dabei um die Verschiedenartigkeit der Ursachen solcher Erkrankungen zu kümmern, würde sehr bald in den Ruf geraten, ein Quacksalber zu sein.

In der Wirtschaftspolitik ist das eher umgekehrt. Wer hier, ohne sich lange mit Ursachenanalysen aufzuhalten, zur Lösung differenzierter Probleme wohlklingende Allheilmittel nur lautstark und oft genug anpreist, der kann gewiß sein, damit nicht nur weithin große Beachtung zu finden. Nicht selten werden solcherart auch eindrucksvolle Karrieren in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft begründet.

Den jüngsten Anschauungsunterricht hierzu bieten die Auseinandersetzungen über das Problem der Arbeitslosigkeit:

Ausgehend von globalen Arbeitslosenzahlen sind nach wie vor viele der Beteiligten darauf fixiert, ein Patentrezept zur Wiedererlangung und Sicherung der Vollbeschäftigung zu propagieren. Es heißt „Arbeitszeitverkürzung“ und soll, getragen von einer abstrakten Solidarität, gleichermaßen allen denen neue Hoffnung und Zuversicht geben, die entweder bereits offiziell arbeitslos sind oder befürchten, es noch zu werden.

Die Frage, wie es denn überhaupt zu der Misere auf dem Arbeitsmarkt kommen konnte, also welchen verschiedenartigen Ursachen das Dilemma im einzelnen zuzuschreiben ist, findet bei der Forderung nach einer generellen Verkürzung der Arbeitszeit so gut wie keine Beachtung. Allenfalls werden Pauschalerklärungen angeboten, die jedoch bei näherem Zusehen keine Rechtfertigung für das Arbeitszeitpostulat zu bieten vermögen.