Es war die größte Katastrophe der Offshore-Ölgewinnung. Am 27. März 1980 brach um 18.30 Uhr eines der fünf Schwimmbeine der zum Wohnquartier umgebauten Bohrinsel „Alexander Kielland“ ab. Zwanzig Minuten später kenterte der fast 10 000 Tonnen schwere Koloß in der aufgewühlten Nordsee. 123 Mann der 212köpfigen Besatzung fanden im eisigen Wasser gut 250 Kilometer westlich der norwegischen Küste den Tod.

Knapp dreieinhalb Jahre später, Mitte dieses Monats, wurde die seitdem kopfunter schwimmende Todesinsel im Gandsfjord vor Stavanger um 180 Grad gedreht und somit wieder aufgerichtet (siehe Photos; die Umrißzeichnung zeigt die „Alexander Kielland“ vor dem Unglück). Die meerestechnische Meisterleistung, eine der größten Seebergungen der Geschichte, diente weniger der Abklärung des Unglückshergangs als der Pietät, Nach langem Kampf erreichten nun die Angehörigen der Toten, von denen drei Dutzend im Inneren der fünfstöckigen Aufbauten vermutet werden, daß die Opfer in einem Landgrab beigesetzt werden können (bei Redaktionsschluß war erst eine Leiche geborgen worden).

Als Ursachen für den Abriß des fünften Beins der in Frankreich ge- und umgebauten Insel sind schon lange Schweißnahtrisse und Brüche an einem Meßgerät bekannt, das in einer Hauptverbindungsstrebe eingebaut gewesen war. In einem 500 Seiten starken Untersuchungsbericht kommt nicht nur der Hersteller schlecht weg, sondern auch der norwegische Auftraggeber, die amerikanische Phillips Petroleum Company als Charterer sowie die technische Überwachung der „Norske Veritas“, Die Tragödie bewirkte, daß andere Bohrinseln in der Nordsee gründlich untersucht wurden, wobei ähnliche Risse an den Schweißnähten gefunden und rechtzeitig repariert werden konn-

Der nun geglückten Wiederaufrichtung gingen monatelange Vorbereitungen voraus. An jedem Bein mußte je ein riesiger Auftriebstank angeschweißt werden. Und Taucher verzurrten tief im Wasser die teilweise eingedrückten Wohnaufbauten des schwimmenden Hotels. Dann wurde der gekenterte Koloß langsam mit starken Stahlseilen aus seiner um 180 Grad verdrehten Position gezogen. Während die tennisplatzgroßen Schwimmfüße (oben) zunächst Schlagseite bekamen (links: mit Arbeitern) und die Plattform sich immer mehr drehte, sicherten zusätzliche Seile stets die stabile Lage des Wracks im Wasser (rechtes Photo: Bergungswinkel 145 Grad; links im Bild ein abgebrochener Kran, rechts ein tonnenförmiger Auftriebstank sowie Reste des Bohrturms). GH