Hervorragend

Frédéric Chopin „Klavierkonzert f-moll/Polonaise fis-moll op. 44“. Ivo Pogorelic doch in seinem Element. Der mit Chopin seinerseits in die Ungnade der Wettbewerbsjury fiel, aber sich damit auch die Türen der Konzertsäle in aller Welt öffnete, möchte ja gern mit heterogenen und disparaten Programmen zeigen, daß er mehr ist als ein Chopin-Spezialist. Aber wenn nun schon jemand die Musik des französischen Polen so farbig spielt, so vital und doch so poesievoll, so zärtlich, innig, mit einem Gefühl, das nie rasant überbordet, aber doch stets voll ist, das sich um ein Detail kümmert, um einen kleinen Triller, um das genaue Maß der in unregelmäßige Metren verkürzten Verzierungsläufe, um die Rubati vor allem, daß sie nicht trocken verschleppt klingen, daß sie wie aus einem Guß kommen, aber dann doch nur verspielt, hingeworfen erscheinen – wenn also jemand Chopin so zu spielen vermag, soll er getrost seine Spezialisierung mit Charme tragen. Eine Warnung allerdings: wer nur eine träge Abspielanlage besitzt, möge nicht nach jedem Forte zurück- und bei jedem Pianissimo wieder aufdrehen – so flink wie die Dynamik dieser Platte kann kein regelnder Finger sein. Umgekehrt: wer sich den Luxus einer flinken Anlage leistete – hier kommt er voll auf seine Kosten. (Deutsche Grammophon 410 507-1/MC 410 507-4/Compact Disc 410 507-2) Heinz Josef Herbort

Alan Vega: „Saturn Strip“ Diesem Pop-Alchemisten, der seine professionelle Karriere als Sänger des New Yorker Duos Suicide begann, glückt hier das seltene Kunststück, die verschiedensten Entwicklungsströme in der Rock-Avantgarde vom frühen Garagenrock der Doors über den Minimal-Pop von Television bis zu Laune Andersons Elektronik-Verfremdungen bruchstückweise so zu zitieren, daß er trotzdem nicht wie ein Plagiator: dasteht. Der hypnotisch und fast psychotisch pulsierende Beat von „Every l’s A Winner“ parodiert genial die Botschaft dieses Disco-Hits. Die Rockabilly-cum-Blues-Satire von „Video Babe“ klingt beinahe brechtisch. Als Satire kommt „American Dreamer“ fast schon überdeutlich daher („high speed kisses in Las Vegas ...“) und ein akustisches Gegenstück zu den frühen Reportagen von Tom Wolfe ist „Wipeout Beat“. (Elektra 96-0259-1)

Franz Schüler