Opposition in Bonn bringt Gewinne in den Ländern

Von Manfred Berger, Dieter Roth und Wolfgang Gibowski

Die Ergebnisse der Doppelwahl in Hessen und Bremen weisen trotz aller Unterschiedlichkeit der Ausgangslagen und der Wahlergebnisse erstaunliche Parallelen auf. In beiden Ländern gewannen die Sozialdemokraten Stimmen hinzu, und die Grünen konnten sich trotz der für sie, inzwischen unfreundlicher gewordenen Stimmung halten. Hier bestätigte sich wieder einmal die Erkenntnis, daß die Bonner Regierungsparteien in den Ländern unter der bundespolitischen Stimmung zu leiden haben.

Für die FDP, die in Hessen mit der Rückkehr ins Parlament einen großen Triumph feierte, scheint dies nur zum Teil zu gelten. Wer so denkt, übersieht aber, daß der Erfolg der FDP in Hessen ausschließlich durch die Hilfe der CDU möglich war. In Bremen, bei anderer Parteienkonstellation, blieb eine solche Hilfe aus, wodurch die FDP auch prompt den Einzug in die Bürgerschaft verpaßte. Schon vom ersten Eindruck her war damit deutlich, daß neben den jeweiligen landesspezifischen Situationen ein in Bremen wie in Hessen gleichermaßen geltender Bundestrend gerade die SPD begünstigte.

In Hessen gibt es keinen Wahlsieger – schließlich dauern „hessische Verhältnisse“ auch nach der Wahl noch an –, wohl aber mit der SPD und der FDP zwei Gewinner.

Die sozial-strukturelle Analyse des Wahlergebnisses von Hessen gibt nun Aufschlüsse, in welchen Wohngebieten die einzelnen Parteien besonders erfolgreich oder erfolglos wären. Gruppiert man die hessischen Wahlkreise nach den Anteilen der Berufsgruppen an der Wohnbevölkerung, dann zeigt sich für die SPD und die FDP ein sehr ähnliches Bild: Beide Parteien haben dort besonder viele Stimmen hinzugewonnen, wo sie, verglichen mit der Landtagswahl vor einem Jahr, überdurchschnittlich gut vertreten waren. Die SPD gewann in den Arbeiterwohngebieten der mittleren Städte und kleineren Orte besser als im Land insgesamt; hier gelang den Sozialdemokraten eine erfolgreiche Mobilisierung ihrer Stammwähler und der in diesen Wohngebieten lebenden sozialdemokratischen Randwähler.

Die FDP gewann überdurchschnittlich in den bürgerlichen Wohngebieten der Beamten, Angestellten und der Selbständigen, besonders, in den mittleren und großen Städten, Genau in diesen Regionen hat die CDU auch ihre größten Verluste. Die durch die Erklärung Wallmanns vor der Wahl programmierten Austauschbeziehungen zwischen CDU und FDP werden besonders deutlich, wenn man die Wahlkreise mit den höchsten CDU-Verlusten (–7,2 Prozent) betrachtet und feststellt, daß die FDP-Gewinne dort ganz besonders hoch (+5,8 Prozent) ausgefallen sind.