Von August 1982 bis heute ist der Aktienindex der Commerzbank um rund 44 Prozent gestiegen. Ein Grund, warum sich viele Leute scheuen, jetzt noch Aktien zu kaufen. Bietet der Rentenmarkt eine angemessene Alternative?

Darüber sind sich in der Bundesrepublik alle einig: Aus konjunktureller Sicht wäre ein Rückgang des Zinsniveaus notwendig. Dennoch war in den vergangenen Wochen das Gegenteil der Fall. Der Kapitalmarktzins für öffentliche Anleihen mit zehnjährigen Laufzeiten ist seit seinem Tiefstand im April von 7,5 Prozent inzwischen auf knapp 8,5 Prozent gestiegen. Entsprechend haben sich auch die Hypotheken wieder verteuert.

Schuld an dem Wiederanstieg der Zinsen sind die USA. Da die Regierung in Washington ihr hohes Etatdefizit weder durch ein Zurückschneiden der Staatsausgaben noch durch Steuererhöhungen beseitigen will, sondern es über Kredite finanziert, bietet sie Zinsen, die Kapital aus aller Welt anziehen. Finanzminister Regan hat in Washington keinen Zweifel daran gelassen, daß sich an dieser Politik bis zu den im November 1984 stattfindenden Präsidentschaftswahlen in den USA nichts Grundsätzliches ändern wird. Es scheint also, meine verehrten Leser, daß wir weiterhin mit hohen Zinsen leben müssen.

Es sei denn, die Bundesbank würde versuchen, wie linke Politiker von ihr fordern, den Zins in der Bundesrepublik autonom zu senken. Sie müßte dann einen weiteren Wertverfall der Mark gegenüber dem Dollar und wohl auch gegenüber anderen Währungen in Kauf nehmen. Wird der Zins in der Bundesrepublik künstlich niedrig gehalten, fließt nicht nur internationales Kapital an der Mark (und damit an der Bundesrepublik) vorbei. Aus Erfahrung wissen wir, daß dann auch vorbei. mehr Bundesbürger und Institutionen dazu übergehen, Bundesbürger zu erwerben. Dies würde den Dollar weiter stärken und die Mark schwächen.

Ein solcher Trend käme zwar dem deutschen Export zugute und allmählich wohl auch der Beschäftigung in der Bundesrepublik; andererseits verteuern sich die Einfuhren. Das würde die Geldentwertung weiter beschleunigen. Dies kann die Bundesbank als Hüterin der Geldwertstabilität, solange sie ihre Aufgabe ernst nimmt, nicht hinnehmen.

Angesichts der faktischen Abhängigkeit von den USA ist es kein Wunder, wenn sich die deutschen Kapitalmarktexperten nahezu täglich ein Bild von der dortigen Situation zu machen versuchen. Im Augenblick scheint es so, daß das amerikanische Schatzamt bemüht ist, die Zinsen nicht weiter steigen zu lassen.

Natürlich sind in der Bundesrepublik die Zinspessimisten nicht ausgestorben. Sie verweisen darauf, daß es der Bundesbank nur durch eine weitere Zinsanhebung gelingen wird, die ausgewucherte Geldmenge in den von ihr projektierten Zielkanal zurückzubringen. Es gibt natürlich auch Leute, von denen die jüngste Lombardsatzerhöhung als Signal dafür verstanden wird, daß die Zinssenkungsphase ihr endgültiges Ende gefunden hat. Der ersten Leitzinsanhebung nach einer Periode rückläufiger Zinsen seien bisher immer weitere gefolgt, sagen sie.