Von Rob Kieffer

Kaum jemand hätte geglaubt, daß das triste, aus roten Backsteinziegeln gebaute Fabrikgelände in Mulhouse einmal zu einer Sehenswürdigkeit im Elsaß werden würde. Doch wo gibt es ein Museum, das auf eine derart bewegte Geschichte zurückblicken könnte?

Als im März des Jahres 1977 protestierende Arbeiter der vor dem Bankrott stehenden Schlumpf-Textilwerke das Fabrikgelände besetzten, trauten sie ihren Augen nicht: Im Schein von 900 verschnörkelten gußeisernen Laternen – exakte Kopien derer des Pariser Pont Alexandre – funkelten 500 blanke Oldtimer, darunter 122 besonders wertvolle Bugattis. Eine Szene wie aus der Räuberhöhle eines autobesessenen Ali Baba. Eine der kostbarsten Automobilsammlungen der Welt, die der Gebrüder Schlumpf, stand im Rampenlicht.

Die „Affäre Schlumpf“ selbst war weniger märchenhaft. Durch ihre maßlose Oldtimer-Leidenschaft hatten die Schlumpf-Brüder ihr einst florierendes Industrie-Imperium in den Ruin gesteuert. Der Spleen der kauzigen Brüder hatte soweit geführt, daß sie jeden Preis zahlten, um in den Besitz von Schnauferln zu gelangen. Firmenangestellte, die zu strengster Geheimhaltung verpflichtet waren, brachten die Oldtimer wieder auf Hochglanz. Fritz und Hans Schlumpf vernachlässigten ihre Wollspinnereien, und als die Bankrotteure 1978 in die Schweiz flüchteten, verloren 6000 Arbeiter ihren Job.

Die aufgebrachten Gewerkschaften „kidnappten“ die Sammlung, die bis dahin nur einige Auserwählte zu Gesicht bekommen hatten, und besetzten die Fabrik. Erst als im Jahre 1979 der Staat neue Arbeitsplätze beschaffte, rückten die Gewerkschaften ab.

Nach langem Zögern – zuerst sollten die Oldtimer zugunsten der Gläubiger versteigert werden – entschloß sich der französische Staat, die Sammlung zu erhalten und zu einem „Musée National de I’Automobile“ umzufunktionieren. Gemanagt wird das Museum von einer Gesellschaft, diesien aus Vertretern der Gemeinde Mulhouse, verschiedenen lokalen Handels- und Industrievereinigungen sowie dem französischen Automobil-Club und der Société Panhard zusammensetzt.

Die „Pures Sangs“, wie man die rassigen Gefährte aus Ettore Bugattis elsässischer Werkstatt bei Moilsheim nannte, hatten es vor allem dem älteren der Brüder, Fritz Schlumpf, angetan. Er trug nach und nach die größte Privatsammlung von Bugattis auf der ganzen Welt zusammen.