Von Heinz-Günter Kemmer

Für Adolf Schmidt ist es eine „sehr schmerzvolle Einsicht“, daß der Steinkohlenbergbau wieder einmal vor der Notwendigkeit steht, seine Kapazität den geschrumpften Absatzmöglichkeiten anzupassen. Hatte der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie noch Ende vergangenen Jahres postuliert, mit der Stillegung der Scnachtanlage Erin in Castrop-Rauxel müsse das Zechensterben nun ein Ende haben, so sagt er jetzt einschränkend: „Es darf keine totale Stillegung eines Bergwerkes geben.“

Der Bergarbeiterführer erläutert an einem praktischen Beispiel, was er damit meint: Bei der Dortmunder Zeche Gneisenau, die wegen chronischer Verluste auf der Abschußliste ganz obenan steht, könnten ein Teil des Grubenfeldes und zweitausend der rund sechstausend Mitarbeiter von der Nachbarzeche Haus Aden übernommen werden. Diese zweitausend Leute könnten dann weiter auf Gneisenau einfahren und an gleicher Stelle wohnen bleiben.

Schmidt weiß freilich auch, daß dies nur ein Teil der großen Lösung wäre. Man müßte vier Zechen von der Größe Gneisenaus teilweise stillegen, um den erforderlichen Kapazitätsabbau von etwa zehn Millionen Tonnen jährlicher Kohleförderung zu erreichen. Um diese Tonnage klaffen derzeit Produktions- und Absatzmöglichkeiten auseinander. Und der bequeme Ausweg, nicht verkaufte Kohle auf die Halden zu kippen, ist inzwischen verbaut: Der Platz wird eng, weitere Aufhaldungen sind kaum noch möglich.

Daß die Förderung von rund 89 Millionen Tonnen in den Jahren 1981 und 1982 um rund zehn Millionen Tonnen zurückgeführt werden muß, ergibt sich aus den Absatzmöglichkeiten. 1982 wurden nur gut 79 Millionen Tonnen verkauft, und in diesem Jahr werden es knapp 78 Millionen Tonnen sein. Obwohl die Förderung auf monatlich 6,91 Millionen Tonnen – im letzten Jahr waren es noch 7,46 Millionen Tonnen – gesenkt worden ist, sind die Halden weiter gewachsen.

Für die Förderreduzierung hat man sich eines Instruments bedient, das in den Kohlerevieren keinen guten Klang hat: Die Bergleute mußten Feierschichten einlegen. Zwar nennt man das heute Kurzarbeit, aber Adolf Schmidt erinnert sich genau daran, daß es im Februar 1958 die erste Feierschicht gegeben hat. Sie läutete den Niedergang des deutschen Bergbaus ein.

Mit Feierschichten allein ist auch heute der Krise nicht mehr Herr zu werden – darüber gibt es Einverständnis zwischen den Kohlemanagern, der Gewerkschaft und den Politikern. Es geht jetzt darum, die Förderkapazität zu verringern, wobei die Stillegung von Randzechen betriebswirtschaftlich der billigste Weg ist. Das geht ganz eindeutig aus einem Papier hervor, das Deutschlands größte Steinkohlengesellschaft, die Ruhrkohle AG, dem Bundeswirtschaftsministerium zur Vorbereitung der an diesem Donnerstag in Bonn stattfindenden Kohlerunde übergeben hat. Dabei werden drei Alternativmodelle miteinander verglichen: