Von Hans-Ulrich Stoldt

Hamburg

Eigentlich, so meint Hamburgs Wissenschaftssenator Hansjörg Sinn, müßte der Etat seines Ressorts für das kommende Jahr um fünf Prozent angehoben werden. Lediglich 2,2 Prozent sind jedoch im Haushaltsplanentwurf des Senats vorgesehen, und somit gibt es „notleidende Positionen, die eigentlich aufgestockt werden müßten“. Eine dieser „notleidenden Positionen“ ist die Sexualberatungsstelle in der Hansestadt. Diese in der Bundesrepublik einmalige Einrichtung ist jetzt gefährdet.

Dabei sind sich alle Betroffenen einig: Die Beratungsstelle hat sich bewährt und sollte weitergeführt werden. Und Bedarf besteht auch: Die Abteilung für Sexualforschung am Universitätskrankenhaus Eppendorf ermittelte, daß in Hamburg wöchentlich etwa 1100 Menschen wegen sexueller Probleme zum Arzt gehen. Dieser könne jedoch nur in den seltensten Fällen helfen. Im Umgang mit sexuellen Problemen seien die meisten Ärzte ratlos. Sie versuchten mit Medikamenten einen Behandlungserfolg zu erzielen oder gar mit operativen Eingriffen. Maßnahmen, die viel kosten, aber meist nutzlos sind, meint Professor Gunter Schmidt von der Universitätsklinik Eppendorf: „Nur ein verschwindend geringer Prozentsatz der sexuellen Störungen hat eine organische Ursache.“

Eine der Hauptaufgaben der 1979 vom Bundesfamilienministerium als Modell-Projekt eingerichteten Hamburger Sexualberatungsstelle ist es denn auch, Ärzte, Psychologen und Sozialarbeiter zu informieren und Weiterbehandlungskurse anzubieten. „Der sexuelle Bereich kommt bei der Ausbildung dieser Berufsgruppen in der Regel viel zu kurz“, erklärt Diplom-Psychologe Ulrich Clement, einer der vier Mitarbeiter der Beratungsstelle. „An den Fortbildungskursen und Seminaren nehmen jährlich mehr als hundert Kollegen teil.“