Nach den Aktien der deutschen Maschinenbau-Unternehmen sind nun auch die Papiere der Elektroindustrie wieder mehr in den Vordergrund gerückt. Bei ihr macht sich zunehmend die Wiederbelebung der Konjunktur bemerkbar. So hat es bei den deutschen Philips-Unternehmen seit April bis heute im Vergleich zum Vorjahr zweistellige Umsatz-Zuwachsraten gegeben. Entsprechend dürften auch die Erträge gestiegen sein.

Bei Siemens geht mit dem 30. September das Geschäftsjahr 1982/83 zu Ende. Grund genug, sich Gedanken über das voraussichtliche Ergebnis zu machen. Nach den vorliegenden Schätzungen wird der Ertrag je Aktie um deutlich mehr als zehn Prozent höher als im Vorjahr liegen. Da bei Siemens – trotz gegenteiliger Beteuerungen – die Dividende bei acht Mark zementiert zu sein scheint, wird in den Börsensälen darüber diskutiert, auf welche Weise Siemens diesmal die Aktionäre an dem zu erwartenden besseren Ergebnis teilhaben läßt. Dabei ist auch ein Aktienbonus ins Gespräch gebracht worden.

Bei Siemens – wie auch bei anderen deutschen Standardaktien – haben sich erstmals seit Wochen wieder Ausländer engagiert. Sie gehen einmal davon aus, daß der deutsche Aktienmarkt ähnlich wie der amerikanische dann zu einem neuen Höhenflug ansetzen wird, wenn sich eine Zinsstabilisierung abzuzeichnen beginnt. Zum anderen halten die Ausländer eine Stärkung der Mark sowohl gegenüber dem Dollar als auch innerhalb des Europäischen Währungssystems für wahrscheinlich.

Von Konjunkturhoffnungen getragen werden neuerdings sogar die Aktien der Stahlindustrie. Hier reizen natürlich in erster Linie die optisch niedrigen Kurse. Erhöhen sie sich wie jetzt bei Hoesch, wo zwei Aktien zu einer vereinigt wurden, wird das Papier sofort empfindlicher, zumal die nunmehr knapp 90 Mark kostende Hoesch-Aktie zwangsläufig mit dem Thyssen-Kurs von 74 Mark verglichen und dann daran erinnert wird, daß Thyssen bislang seine Aktionäre stets mit Dividenden bedient hat, während die Hoesch-Aktionäre seit Jahren leer ausgehen.

Zugenommen hat das Interesse für Autoaktien. Dazu mag die Frankfurter Automobilausstellung beigetragen haben. Aber noch mehr die positiven Ertragserwartungen für die Jahre 1983 und 1984. Die Kurse von BMW, Daimler, Mercedes und VW schieben sich langsam wieder an ihre bisherigen Jahreshöchststänae heran. Im Mercedes-Kurs ist noch die Daimler-Dividende (11,50 Mark) für 1982 enthalten.

Für den vorherrschenden Konjunkturoptimismus spricht auch das immer wiederkehrende Interesse für Rohstoffwerte, zu denen neben Preussag-Aktien auch die der Degussa gerechnet werden. Der Kali + Salz-Kurs profitiert von der jetzt überall einsetzenden Waladüngung. Für 1983 dürfte sich bei dieser Gesellschaft allerdings erst eine geringe Gewinnsteigerung ergeben. K. W.