Der Krieg am Golf dauert jetzt drei Jahre. Das Regime in Teheran feiert den Jahrestag mit einer „Kriegswoche“ und beschäftigt sich mit der drohenden Lieferung französischer Kampfflugzeuge an den irakischen Feind.

Der Ajatollah Chomeini drohte, die Islamische Republik werde die Straße von Hormus sperren, „so daß kein Tropfen Öl aus dem Golf hinausfließt“, falls Frankreich die Super-Etendards an den Irak liefere. Der Revolutionsführer wies erneut alle Friedensangebote des Irak ab und schwor, den Kampf bis zum Sturz des „gottlosen Baath-Regimes“ fortzuführen.

Vor drei Jahren überquerten irakische Verbände die umstrittene Grenze und besetzten bald den größten Teil der persischen Ölprovinz Chusistan. Der irakische Präsident Saddam Hussein rechnete damit, daß die Islamische Republik wegen ihrer Instabilität keinen ernsthaften Widerstand leisten könnte. Hinzu kam die Hoffnung, die Bevölkerung Chusistans, überwiegend arabischer Sprache, würde sich möglicherweise mit den vorn marschierenden Irakern verbrüdern.

Diese Rechnung ging nicht auf. Vom revolutionären Elan beseelt und vom schiitischen Hang zum Märtyrertod getrieben, zogen Zehntausende iranischer Revolu-Zehntausende und Freiwilliger zur Front. Dürftig bewaffnet, dafür aber mit einem „Paradiesschlüssel“ aus grünem Plastik am Hals für den Fall des eventuellen Märtyrertodes, leisteten sie erbitterten Widerstand. Auch die reguläre Armee kämpfte wacker, und auch die Bevölkerung Chusistans empfand offensichtlich keine Bruderliebe für die Iraker, die ihre Häuser zerbombt hatten.

So schlugen die Iraner unter großen Opfern die Angreifer bis jenseits des Grenzflusses zurück. Zurück blieben Tausende von Toten und Verwundeten, zerbombte Städte und Dörfer und zwei Millionen Flüchtlinge und Obdachlose. Im Mai 1982 überquerten iranische Truppen den Grenzfluß. Diesen Invasoren war aber noch weniger Erfolg beschieden als den Irakern im Iran. Der Todesmut der „Gottesheerscharen“, wie Chomeini seine Kämpfer nennt, konnte gegen die weitaus besser ausgerüsteten irakischen Verbände auf fremdem Boden nichts ausrichten. Auch die erhoffte Solidarität der irakischen Schiiten blieb aus.

Der Kampf an der 1800 Kilometer langen Front ist zu einem mörderischen Stellungskrieg erstarrt. Weder die Bombardierung der iranischen Grenzstädte oder der Ölanlagen im Golf durch die irakische Luftwaffe noch die drei iranischen Offensiven am nördlichen Abschnitt der Front konnten daran in den letzten Monaten etwas ändern. Die Zeit arbeitet allerdings für die Iraner: Die irakische Staatskasse ist leergekämpft. Denn das irakische Öl kann zur Zeit nur durch eine einzige Pipeline, die durch die Türkei verläuft, ins Ausland fließen. Hinzu kommt, daß die reichen arabischen Staaten, wie Saudi-Arabien, anscheinend keine Lust mehr haben, ihre Gelder in einem Krieg zu verpulvern, dessen Erfolg mehr als zweifelhaft ist.

Die Iraner hingegen haben nach Abzug der Iraker ihre Ölförderung auf 1,8 Mill. Barrel pro Tag erhöht und verfügen heute über etwa 5 Milliarden Dollar an Devisen. Mit 50 Millionen Dollar, die sie täglich für ihr Öl einnehmen, können sie die Versorgung der Bevölkerung einigermaßen gewährleisten und sich mit dem nötigen Kriegsmaterial auf dem internationalen Waffenmarkt versorgen.