Die andere Avant Garde: in Linz trafen sich die amerikanischen Performerinnen zu einem großen Festival

Von Renate Klett

„Ich nehme meine Wünsche als Wirklichkeit, weil ich an die Wirklichkeit meiner Wünsche glaube“, heißt es in Friederike Pezolds schönem Film „Canale Grande“.

Frauen und Kunst – so geht es auch. Drei Studentinnen aus Wien, Mitte Zwanzig und im Fach Theaterwissenschaft, dachten sich etwas aus, was es noch nie gab: ein großes Festival mit dem Thema „Andere Avant Garde“. Und das zu einem Zeitpunkt, da die sogenannte Frauenfrage nicht mehr verkaufsträchtig ist, die Diskussion, zur weiblichen Ästhetik nicht mehr chic genug.

Die Vorgeschichte: der Ort ist Linz in Oberösterreich, der Anlaß das Internationale Brucknerfest. Zu dessen Rahmenprogramm gehört alle zwei Jahre die „ars electronica“, in den Jahren dazwischen ein Veranstaltungszyklus mit wechselnden Themen. Nach „Textilkunst“, „Forum Metall“ und „Forum Design“ brauchte man einen neuen Einfall. Auftritt der Studentinnen Claudia Preschl, Andrea Stadlmayr und Sabrina Unger mit ihrer Festivalidee – die Avantgarde, und gar noch die von Frauen, scheint ein kühnes Programm vor solchem Hintergrund; doch sie schlugen es vor und setzten es durch.

„Andere Avant Garde“ – Performance und Kunstausstellung, Film, Video, Musik und Tanz, Literarisches und Theoretisches, ein volles, mit Klugheit und Sachkenntnis zusammengestelltes Programm, zwölf Stunden täglich, fünf anstrengende, schöne Tage lang. Und das nicht im Alternativzelt auf dem Hinterhof, sondern, wenn schon, denn schon, im Brucknerhaus, der Guten Stube der Stadt, einem Konzert- und Kongreßpalast von üblich häßlicher Repräsentanz.

Vierzig Künstlerinnen wurden vorgestellt, darunter solche, die auch im regulären, also männlichen Kulturbetrieb einen Namen haben, von Meredith Monk bis Simone Ford, Christina Kubisch bis Verita Monselles, Yvonne Rainer bis Marguerite Duras, Valie Export bis Gina Pane.