Schön „Angel, der Rächer“ Von Neil Jordan ist ein irischer Film, der in Nordirland spielt: Wo die offene Gewalt so alltäglich ist wie anderswo Geschwindigkeitsübertretungen im Straßenverkehr. Irgendwo in der Provinz bereiten Musiker ein Konzert vor. Dabei variiert Danny, der „Stan Getz von South Armargh“, auf seinem Saxophon eine melancholische Melodie – im Kleinbus vor der Tanzhalle, an deren Fassade man „Dreamland“ und Ballroom“ lesen kann. Ein junges Mädchen kommt hinzu. Sie ist taubstumm, sie hört die Musik nicht, fühlt jedoch, daß da etwas geschieht. Nach dem Konzert trifft sie ihn wieder. Sie legen sich zusammen in ein großes Abwasserrohr, das einfach sb herumliegt. Von der Tanzhalle fällt ein seltsames irreales Licht auf ihren Unterschlupf: so rot wie das alte Rot von Technicolor. Plötzlich tauchen Gangster auf, erschießen Dannys Manager und das Mädchen und sprengen die Tanzhalle in die Luft. Der Himmel brennt. Und die verträumte, fast märchenhafte Atmosphäre, die über den Szenen vorher lag, ist erstickt durch den grellen Schock von Gewalt und Tod. So beginnt „Angel“. Und so beginnt die lange Zeit, in der Danny lebt wie in Trance. Er erinnert sich an nichts, und erinnert sich doch: an orthopädische Schuhe, an ein Schnellfeuergewehr. Mit seinem Saxophon sagt er abends in den Tanzkneipen, was er empfindet. Ansonsten schweigt er. Er sucht und handelt, ohne letztlich suchen und handeln zu wollen. Er findet und tötet einen Gangster nach dem anderen. Das läßt ihn überleben, sich selber aber am Ende ganz fremd werden. Der Film erzählt diese Geschichte nie mit Abbildern, die vorgeben, die Realität wiederzugeben. Mit Farben, Licht und stilisierten Ausschnitten formt er eher Bilder, die Stimmungen ausdrücken. So wird fühlbar, was geschieht. „Angel“: oft merkwürdig fremd, oft rätselhaft, oft mythisch verklärt, doch fast immer schön. Norbert Grob

Schwierig

„Die wilden Fünfziger“ von Peter Zadek, sehr frei nach Motiven eines Romans von J. M. Simmel, ist Peter Zadeks größter Film. Aber das hat mit Film nichts zu tun. Zadeks IRRWITZIGE ACHTERBAHNFAHRT durch EINE ZEIT, IN DER ALLES MÖGLICH WAR ist ein saftiger Reigen, der bedenkenlos die „HEILIGEN KÜHE“ schlachtet. Alles nur Versprechungen. Fressen. Frauen. Saufen. Geschäfte. Geld. Erfolg. Die „chinesische Schlittenfahrt“. Versprechungen? Alles ist so, wie im Film die Austern sind: „kalter Rotz mit Fischgeschmack“. Norbert Grob

Ärgerlich

„Die Götter müssen verrückt sein“ von Jamie Uys, schon vor Jahresfrist von einem kleinen Verleih vereinzelt gestartet und nun (wohl ob des erstaunlichen Erfolges bei Kritik und Publikum in Frankreich) von einem amerikanischen Großverleih erneut herausgebracht, ist eine 1980 in Botswana gedrehte krude Buschklamotte, in der der südafrikanische Filmveteran Jamie Uys (Produzent, Autor, Kameramann, Cutter und Nebendarsteller) drei Geschichten kombiniert: die wundersame Wanderung eines Buschmannes ans „Ende der Welt“, die chaotische Flucht schwarzer Revolutionäre nach einem mißglückten Attentat und die linkische Liebesromanze zwischen einem Biologen und einer großstadtmüden Journalistin, die in der Kalahari Lehrerin werden will. Man darf sich „hemmungslosem Amüsement“ (AZ) hingeben angesichts abgestandener Gags im Zeitraffertempo, der profunden imperialistischen Symbolik einer Coca-Cola-Flasche, die als Apfel der Zwietracht aus heiterem Himmel ins Paradies friedlicher Buschmänner fällt, und des paternalistischen Porträts der „Black Homelands“ (wo es von blöden Bürokraten und tumben Terroristen wimmelt). „The Gods Must Be Crazy“ ist ein typisches Produkt der Apartheid-Haltung, die nostalgisch das „unverdorbene“ Afrika beschwört und zugleich die naive Hilflosigkeit „glücklicher Schwarzer“ bei ihrer Konfrontation mit der Welt der Weißen dem Gelächter preisgibt: rassistischer Slapstick im „Afrikaander“-Ohnsorg-Stil.

Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

„Das Gespenst“ von Herbert Achternbusch. „Die flambierte Frau“ von Robert Van Ackeren. „In Sachen King of Prussia“ von Emile de Antonios. „Der Bienenkorb“ von Mario Camus. „Der Tod des Mario Ricci“ von Claude Goretta. „Monty Python Der Sinn des Lebens“ von Terry Jones. „Die Macht der Gefühle“ von Alexander Kluge. „Der Android“ von Aaron Lippstadt. „Sans Soleil“ von Chris Marker. „Pauline am Strand“ von Eric Rohmer (siehe Seite 44). „Carmen“ und „Zärtliche Stunden“ von Carlos Saura. „New York City Girl“ von Susan Seidelman.