Start steht für „Strategie Arms Reduction Talks“ – die bilateralen Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über die Verminderung ihrer Interkontinentalwaffen, das sind Raketen und Bomber mit Reichweiten über 5500 Kilometer. Die Abkürzung ist eine Erfindung der Regierung Reagan; die Gespräche selbst gehen auf die späten sechziger Jahre zurück. Bis zu Reagans Amtsantritt 1981 liefen sie unter dem Stichwort „Salt“ – Strategie Arms Limitation (Begrenzung) Talks und führten zu einer Reihe von Abmachungen:

– dem Salt-I-Abkommen von 1972, das Höchstgrenzen für die Zahl der Interkontinentalraketen festlegte;

– dem ABM-Vertrag von 1972, der beiden Seiten den Bau von modernen Raketenabwehrsystemen (Anti-Ballistic Missile) verbietet;

– dem Salt-II-Vertrag von 1979, der neben Interkontinentalraketen und strategischen Flugzeugen auch die Zahl atomarer Sprengköpfe eingrenzte und Modernisierungen beschränkte. Er scheiterte am amerikanischen Senat und wurde bisher von keiner der Weltmächte ratifiziert. Allerdings haben sich bisher beide dazu verstanden, die wichtigsten Bestimmungen des Vertrages stillschweigend einzuhalten.

Seit Juni 1982 verhandeln die Vereinigten Staaten (Delegationsleiter Edward Rowny) und die Sowjetunion (Delegationsleiter Viktor Karpow) in Genf über ein neues Abkommen. Aber beide sind sich bis heute uneins über das Ziel, das damit verfolgt werden soll. Für die Regierung Reagan liegt dieses Ziel darin, durch drastische Verminderungen der nuklearen Arsenale eine grundlegende Veränderung in der Rüstungsstruktur der Sowjetunion erreichen. Dahinter steht vor allem die Sorge über die mehr als 800 landgestützten Interkontinentalraketen der Sowjetunion, die zahlreiche Sprengköpfe tragen und damit theoretisch die (weniger schubkräftigen) landgestützten Raketen der USA schon in ihren Silos gefährden.

Die amerikanische Seite hat daher in Genf eine radikale Abkehr von dem bisherigen Verfahren der Rüstungskontrolle vorgeschlagen: Strategische Waffen sollen nicht mehr nur begrenzt, sie sollen nachhaltig zurechtgestutzt werden. Im Mai 1982 formulierte Reagan die Einzelheiten. Danach wurden zwei Phasen vorgesehen. In der ersten sollten beide Seiten die Zahl ihrer Interkontinentalraketen (zu Wasser und zu Lande) auf je 850 vermindern – die Vereinigten Staaten von 1572, die Sowjetunion von 2367. Auch die Zahl der Sprengköpfe, die die Raketen tragen können, sollte auf insgesamt 5000 für jede Weltmacht gekürzt werden. Schließlich sollte nur die Hälfte der Sprengköpfe für landgestützte Raketen zugelassen werden. Das hätte für die Sowjetunion die von Amerika angestrebte Veränderung ihres Waffenarsenals bedeutet, denn dort sind 75 Prozent aller atomaren Sprengladungen auf Raketen zu Lande, nicht auf U-Booten stationiert; bei den Vereinigten Staaten ist das Verhältnis etwa umgekehrt. Zudem forderte Amerika, die Sowjets sollten nur 210 ihrer schweren Raketen behalten dürfen. In einer zweiten Phase sollte dann versucht werden, das Wurfgewicht moderner Raketen – ein besonders von Washington betontes, aber schwer zu definierendes Maß strategischer Zerstörungskraft – auf ein gleiches Niveau zu senken (die Sowjetunion hat hier einen erheblichen Vorsprung); auch über die anderen strategischen Waffen sollte dann gesprochen werden.

In den Einzelheiten ist diese amerikanische Ausgangsposition seither modifiziert worden. So besteht Washington seit Mitte 1983 nicht mehr auf einer Höchstgrenze von 850 Raketen. Man hat erkannt, daß es für die Stabilität der Abschreckung besser ist, wenn beide Seite viele Raketen mit wenigen Sprengköpfen, als wenige Raketen mit vielen Sprengköpfen haben.