Es war ein löbliches Unterfangen: Friedensbewegung und Vertreter der Obrigkeit wollten Sich in der Evangelischen Akademie Loccum über „Konfliktaustrag und innerer Friede“ unterhalten. Doch der Versuch, den heißen Herbst temperiert zu halten, schlug gründlich fehl. Die „Autonomen“ – militante Randgruppen mit Brutalo-Jargon und einem Hang zur Tätlichkeit – legten sich buchstäblich quer. Sie verhinderten die Veranstaltung ihrer Freunde ausgerechnet mit dem Mittel, das sie sonst nur auf Gegner anwenden: durch eine Blockade.

Niemand war mehr schockiert als die führenden Vertreter der Friedensorganisationen. Von „menschenverhöhnendem Umgang“ sprach Pfarrer Deile; einen „Rückschlag“ der Friedensbewegung konstatierte Verfassungsrichter Simon; einen „wohlfeilen Erfolg“ verspottete der grüne Bundestagsabgeordnete Vogt. In der Tat: Wie soll der vielbeklagten „Kriminalisierung“ der Friedensbewegung durch die Obrigkeit entgegengewirkt werden, wenn nicht durch Dialog, durch einvernehmliche Verbreiterung des Aktionsraumes derer, die friedlich demonstrieren wollen, durch Abbau von Feindbildern?

Die Irrsinnsfransen der Anarcho- und Sponti-Szene sind nicht die Friedensbewegung; man hüte sich da vor billiger Gleichsetzung von ein paar tausend Radikalinskis mit Millionen von Protestlern. Sie wollen Militanz, wo die übergroße Mehrheit Gewaltfreiheit will. Sie sind auf Randale aus, die anderen auf Wirkung durch Argumente. Sie suchen nicht bloß die Nachrüstung zu verhindern, sondern den Staat – das „Schweinesystem“ – zu zerstören. Einige versteigen sich zu der absurden Forderung: „Verhindert die Pazifizierung der Friedensbewegung!“ Wer auf diese Weise die Friedfertigkeit, der Friedlichen untergräbt, steht der Guerilla näher als den Gewaltfreien. Th. S.