Wer ist der wahre Globetrotter? Der 29jährige Münchner Krankenhaus-Dienststellenleiter Michael Spies, der „das ganze Jahr auf die sechs Wochen Sahara-Durchquerung bis Mali hinlebt“ (mit einem bereits in der Türkei getesteten Unimog) nennt sich bescheiden „normaler Tourist“. Wer aber Motor und Felgen über die Trans-Amazonica gerettet hat, der ist schon fast so gut wie die beiden Motorradfahrer, die es sogar durch ein Kriegsgebiet geschafft haben, den Tschad. Wichtig in Globetrotter-Kieisen ist: „einzig“ sein. Die typische Handbewegung in Poing: ein ausgestreckter Zeigefinger. Die da hinten waren in Botswana... suchen noch den vierten Mann, wissen, wer dir eine Borgward-Diesel-Einspritzpumpe besorgt oder wie da die Fähre nach Tunis noch billiger kriegst.

Jeder informiert jeden beim Stelldichein der Weltenbummler, das zweimal im Jahr der Geschäftsmann Klaus Därr organisiert. Därr’s Expeditions-Service hat sein Lager im benachbarten Kirchheim. Wer, wie ein junges bürofrustriertes Paar aus Heidelberg, bei seinem Afrika-Trip „so ganz auf Komfort nicht verzichten will“, kann sich dort ausrüsten lassen: mit Karten und Büchern, natürlich, mit Auto- und Camping-Zubehör, aber auch mit „Jungle-Schuhen“, „Expeditionshosen“ (jetzt auch in hellblau) und Seifendosen, die sehr gut in deren Außentaschen passen. Für Musikkassetten eignet sich die staubsichere kleine Munitionskiste.

„Heimisches unter der Tropensonne“ kostet 6,98 Mark und ist, rät Därr, beim Standortverpflegungslager der Bundeswehr zu besorgen: „EPA’s“, Soldaten-Tagesrationen, „enthalten alles, was der Mensch braucht“. Ein bißchen teurer sind Därr’s gefriergetrocknete Komplett-Menüs.

„Wenn in manchen Ländern der Dritten Welt keine Leistungen da sind, muß man sich eben selbst ausstatten“, sagt der Marktlücken-Pionier Därr. „Die können ja daran verdienen, daß in der westlichen Welt immer weniger Arbeit da ist und die Leute ihre Freizeit sinnvoll verbringen.“ Heia Safari.

„Die Unberührtheit der Menschen, die ohne Komfort leben“, reizt den 24jährigen Fernmeldetechniker Jürgen Steininger bei seinem Afrika-Trip, und „die Freiheit, die man gerade mit so einem Fahrzeug hat.“ Mit dem nötigen Sicherheitsabstand, den manche sogar mit Metallgittern an allen Range Rover-Fenstern demonstrieren.

Christiane Grefe