Nippons Automanager zürnen Reagan – und der eigenen Regierung

Von Helmut Becker

Den Topmanager packte die Wut: „Ich zweifle an den guten Gründen der USA, von uns ein viertes Jahr Exportselbstbeschränkung zu verlangen“, grollte Takashi Ishihara, Vorsitzender der japanischen Automobilhersteller (JAMA). Der Zorn des Verbandschefs und Präsidenten des zweitgrößten japanischen Autokonzerns Nissan Motor gilt freilich nicht nur den Amerikanern, sondern auch der eigenen Regierung: Washington und Tokio haben beide Eile, noch vor dem Japan-Besuch von Präsident Reagan Anfang November ein neues Abkommen über die Begrenzung von Nippons Auto-Exporten in die Vereinigten Staaten auszuhandeln.

Schon im Januar hatte Tokios Ministerium für Handel und Industrie (Miti) dem Drängen der Reagan-Regierung nach einjähriger Verlängerung der „freiwilligen Exportselbstbeschränkung“ über den 31. März dieses Jahres hinaus nachgegeben. Um die angebliche Freiwilligkeit steht es heute aber noch schlechter als im Frühjahr 1981. Damals hatte das Miti über die Köpfe der eigenen Autoindustrie hinweg der amerikanischen Konkurrenz eine zweijährige Erholungspause vom japanischen Wettbewerbsdruck zugestanden. Jährlich sollten nicht mehr als 1,68 Millionen Pkw über den Stühlen Ozean verfrachtet werden. Japans Autoriesen kuschten maulend vor dem allmächtigen Miti, und Tokio hatte endlich seinen Burgfrieden mit dem wichtigsten Handelspartner.

Chrysler besser als Toyota

Indes ließen die Vereinigten Staaten mit ihren Forderungen nicht locker: Kaum ein amerikanischer Politiker vergaß bei seinem Tokio-Besuch, auf die Notwendigkeit einer Verlängerung des „Selbstbeschränkungs“-Abkommens hinzuweisen. Und in Washington fuhr der Kongreß grobes Geschütz auf: Die Parlamentarier berieten einen Gesetzentwurf, der Japans Autoriesen zu einer US-Fertigungsquote von neunzig Prozent gezwungen und sie damit praktisch von ihrem größten Exportmarkt verbannt hätte. Das löste im Miti und in den Chefetagen der Autokonzerne Panik aus. Der neue Premier Nakasone gab denn auch klein bei und verfügte die Fortführung der Ausfuhrbegrenzung um ein Jahr.

Wohl war dem japanischen Regierungschef schon damals nicht: „Wir werden den Verdacht nicht los, daß Japan im amerikanischen Wahljahr als Prügelknabe wird herhalten müssen“, wohnte Nakasone. Tatsächlich streiten sich beide Regierungen derzeit um die Frage, wer als wessen Prügelknabe fungieren soll. Denn auch Nakasone muß sich, spätestens 1984, dem Votum der Wähler stellen. Und auch er macht Wahlpolitik mit dem Außenhandel.