Der deutschen Seele bleibt wenig erspart: Erst stirbt der deutsche Wald am sauren Regen, nun verlangen Naturschützer ernsthaft, eben diesen Wald zu schützen und deswegen auf den deutschen Weihnachtsbaum zu verzichten, der ja – braun und nadelarm – auf dem Sperrmüll endet. Was das Gemüt beschwert, hülfe in schweren Zeiten dem Geldbeutel, gäbe es da nicht gleichzeitig die hartnäckige Forderung nach einem Waldpfennig, um den siechenden Forst zu retten (mithin also auch die Weihnachtsbäume?).

Zum Glück ist ein doppeltes Nein so vernünftig wie angebracht. Der Wald stirbt nicht an Weihnachten; die grünen Kerzenständer müssen teils geschlagen werden, damit die anderen Bäume besser wachsen können, teils sorgt privater Geschäftssinn für ausreichenden Nachwuchs. Der Wald wird – zweitens – nicht durch einen Pfennig gerettet, auch wenn der sich zu Milliarden summiert. Denn nicht an Geld, sondern an Gesetzen fehlt es: gegen das Schwefeldioxid in den Kraftwerks-Abgasen und gegen die Stickoxide aus dem Auspuff der privaten Autos. Wenn diese Gesetze nur kämen, würden alle Verbraucher willig einen „Waldpfennig“ zahlen: für teurere Autos, die unter Umständen mehr Sprit verbrauchen, für höhere Stromkosten, verursacht durch neue Filter oder umweltfreundlichere Feuerungsanlagen.

Das wäre eine echte Wende, ohne die Last weihnachtlicher Gemütsschäden. Oder will eine unternehmerfeindliche Regierung nur der glühenden Kunststoff-Industrie ein neues Geschäft zuschanzen, nämlich den immergrünen Plastikbaum, hergestellt aus schwefelreichem Erdöl? Was im Sinne internationaler Umwelt-Verantwortung sogar vernünftig wäre: Die Tannenbäume, die wir ohnehin schlagen müssen, sollten wir dann als billiges Brennholz in die devisenarmen Länder der Dritten Welt exportieren, damit wenigstens dort der Wald gerettet wird. H. B.