Hinter der fröhlichen Fassade: deutsch-amerikanische Probleme

Von Ulrich Schiller

Washington, im Oktober

Kann man Freundschaft herbei-feiern? Die besorgten Politiker, die auf der Suche nach bündnisstärkenden Veranstaltungen im April 1981 während einer Klausurtagung den 300. Jahrestag deutscher Einwanderung in Amerika entdeckten, waren gewiß vom guten Willen erfüllt, dem distanzierter gewordenen Verhältnis zwischen Deutschen und Amerikanern wieder eine positive, emotionale Klammer zu geben. Den Erfolg der Bemühungen nun aber an den Feiern dieser Woche zu messen, dürfte schwierig werden. Denn als Tendenz ist schon länger zu beobachten: Die Offiziellen in der Bundesrepublik,die Abgesandten aus Bonn, ihre amerikanischen Gastgeber und die deutschstämmigen Amerikaner werden das Fest wohl allein feiern. Presse, Funk und Fernsehen interessieren sich mehr für die aktuellen deutschamerikanischen Probleme als für die Historie.

Als der Bundespräsident am Montag abend in Washington eintraf, wollte keine /Fernsehgesellschaft ein Interview mit dem deutschen Staatsoberhaupt führen. Karl Carstens? Man weiß, daß die Deutschen einen Kanzler haben und daß der Kanzler nicht mehr Schmidt heißt. Ein Präsident ohne Regierungsamt – wo bleibt da der news-Wert?

Kellys Gegenfest

Um die grüne Bundestagsabgeordnete Petra Kelly haben sie sich gerissen. Vor zwei Wochen schon war sie auf allen Kanälen, ein Kuriosum freilich mehr als ein Politikum. Denn was die in Amerika großgewordene, energische junge Frau in übersprudelnder Schnelligkeit zum besten gab, blieb schon den Interviewern verborgen, vom breiten Publikum ganz zu schweigen. Nun haben die deutsche und die amerikanische Friedensbewegung ihre Kräfte zusammengeworfen. Also wird Petra Kelly – neben Erhard Eppler – wieder einen großen Auftritt haben, wenn die amerikanischen Rüstungsgegner in Philadelphia das Gegenfest aufziehen. Am 6. Oktober – an diesem Tag vor 300 Jahren landeten die ersten Siedler aus Krefeld – ist just zu der Stunde eine große Demonstration geplant, in der Bundespräsident Carstens mit den Honoratioren der Staat und dem 300-Jahr-Feier-Komitee im Franklin Plaza Hotel ein Festbankett zelebriert. Der Bundespräsident wird in Philadelphia eine Gedenktafel enthüllen, Germantown besichtigen und bei einem wissenschaftlichen Symposium über „300 Jahre deutsch-amerikanische Geschichte“ sprechen, ehe er nach St. Louis, Missouri, weiterreist.