In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Ferienwohnungs-Urlauber mehr ab verdoppelt. Auf der Jahrestagung 1983 des Studienkreises für Tourismus diskutierten Experten dieses touristische Phänomen.

Immer mehr Deutsche ziehen im Urlaub regelrecht um: vom Großstadtappartement ins Feriendorf, vom Reihenhaus in einen Wohnturm an der See, von der eigenen Villa ins Miet-Chalet. 2,5 Millionen Urlauber, Kinder nicht mitgezählt, verbrachten 1982 ihre Ferien in gemieteten Domizilen – das sind doppelt so viele als zehn Jahre zuvor.

Wer sind die Leute, die mit Campingplätzen, aber auch mit Hotels nichts im Sinn haben, die den eigenen Herd, das eigene Bett gegen fremdes Mobiliar vertauschen? Was erwarten sie, wie verhalten sie sich? Die Tourismusforscher tun sich noch schwer mit der Einschätzung dieser Urlaubergruppe. Auf der Jahrestagung 1983 des Studienkreises für Tourismus in Lübeck wurde jetzt offenkundig: Verallgemeinerungsfähige Daten über die Klientel von Ferienwohnungen sind spärlich, weil bisher nur in einigen wenigen Feriendörfern oder -Zentren (beispielsweise in Hessen, an der Adria und an der Ostsee) Umfragen durchgeführt wurden.

Doch es gibt immerhin Ansatzpunkte. Der Bayreuther Wirtschaftsgeograph Jörg Maier hat aus den jährlichen Reiseanalysen des Studienkreises für Tourismus (6000 Befragte, davon 3700 tatsächlich reisende) einige typische Merkmale von Ferienhaus-Urlaubern herausgearbeitet. Nach seiner Untersuchung – die aber nicht nach den verschiedenen Ferienhaus- und -wohnungstypen aufgeschlüsselt ist – verbringen vor allem Familien mit Kindern ihren Urlaub in Ferienwohnungen; die Eltern zählen in der Regel zu den Altersgruppen der 30–39jahrigen und der 40-49jährigen. Ein Viertel der Ferienwohnungsmieter ist von Beruf „leitender Angestellter oder Beamter“. 45 Prozent der Befragten verbringen durchschnittlich zwanzig Tage in ihrer Unterkunft, zwei Drittel von ihnen geben im Urlaub mehr als 800 Mark pro Person aus. Die Familien verpflegen sich zu 84 Prozent selbst – Sparsamkeit wird großgeschrieben.

Überraschend ist nach Ansicht von Maier, daß die Nachfrage nach Wohnungen größer geworden ist als die nach Häusern. Noch vor elf Jahren wünschten sich 60 Prozent der Befragten ein Haus, 1982 dagegen wollten 75 Prozent lieber eine Wohnung mieten, die allerdings sollte komfortabel sein. Die Vertreter zweier großer Reiseveranstalter zweifelten an diesem Trend. Nach ihren Erfahrungen werden Einzelhäuser immer beliebter.

Kontroversen gab es auch um die Hypothese, Bewohner von Ferienhäusern seien träge, nützten weder die Freizeitangebote der Feriendörfer noch die Infrastruktur des Urlaubsortes. Betreiber von Ferienzentren wußten Gegenteiliges zu berichten; einige Wissenschaftler meinten, diese Urlaubergruppe sei nicht inaktiv, sie lasse sich nur nicht organisieren.

Die Konzentration auf die eigene Familie sowie der Wunsch nach Ungebundenheit und freier Gestaltung des Tagesablaufs sind nach Ansicht aller Experten die entscheidenden Gründe für die Wahl einer Ferienwohnung. Die Psychologen meinen, daß Streß und Hektik im Beruf Auslöser für die selbstgewählte Isolation der Ferienwohnungs-Familien sind. Deren Freiheitsdrang hingegen beruhe auf dem Druck von Status-, Kleidungs- und Verhaltenszwängen im Alltag.