Von Paul Schwarz

Jugend im Dritten Reich“, „Europa unterm Hakenkreuz“, „Holocaust“ – 50 Jahre nach Hitlers Machtergreifung häufen sich die Darstellungen in den Medien, und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Aber sollten wir nicht die historische Beschreibung jener Zeit allmählich verlassen und den Bezug zur Gegenwart herstellen? So wichtig die Fragen sind: Wie war es damals? Wie konnte das nur passieren? – wichtiger und entscheidender ist die andere Frage: Wie kann eine ähnliche Entwicklung in Zukunft vermieden werden?

In diesen Wochen fragen in Zeitschriften und Fernsehrunden die Jungen die Alten mehr als sonst, und häufig erinnern die Gespräche zwischen den Generationen an Tribunale: Wie konntet ihr? Hättet ihr das nicht alles vorher wissen müssen? Es ist an der Zeit zurückzutragen, denn trotz freiheitlicher Demokratie, breiter Information und politischen Unterrichts gibt es jugendliche Neonazis, erzählen sich junge Leute untereinander Türkenwitze.

Wie denken Schüler im Alter von 15 bis 18 Jahren über die gar nicht mehr so junge Vergangenheit des Dritten Reiches und über unsere Gegenwart? Die folgenden schriftlichen Antworten stammen aus dem Deutschunterricht zweier Klassen eines Landauer Gymnasiums.

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Was vor vierzig Jahren geschehen ist, ist Vergangenheit. Die alte Generation, die sich damals schuldig gemacht hat, lebt heute nicht mehr. Und was hat die junge Generation, die daran doch nichts mehr ändern kann, damit zu tun? Wir sind genügend vorgewarnt, wir passen schon auf, daß so etwas nicht mehr geschient.

(Gudrun, 17 Jahre)