Es war einmal eine Zeit, da gab es in unserem Lande so wenig Kinder, daß ganze Schulen leer und viele Spielplätze unbenutzt blieben. Die Hunde – davon gab es genug – hatten jetzt Spielplätze oft für sich und freuten sich; und auch mancher Penner. Aber nicht alle Leute freuten sich.

Diejenigen zum Beispiel, die Waren herstellen wollten, um sie zu verkaufen, hatten große Sorgen; denn es gab eben viel weniger Jugendliche als benötigt wurden, um das herzustellen, was am Ende verkauft werden sollte. Und die Jugendlichen mußten das Herstellen ja erst noch lernen.

Da kam eines Tages ein fünfzehnjähriges Mädchen zu einem großen Betrieb, ging zu dem, der die größten Sorgen hatte und sagte: „Ich erwäge, vielleicht bei Ihnen eine Lehrstelle anzunehmen. Natürlich nur, wenn Ihr Betrieb ausbildungswillig und ausbildungsfähig ist. Das möchte ich vorher gern herausfinden. Das Mädchen gab dem Mann ein Papier und sagte: „Das ist ein Fragebogen. Bitte füllen Sie den für mich aus. Solche Fragebogen habe ich nämlich noch sieben anderen Betrieben gegeben. Ich will diesen Test im Laufe der nächsten Monate auswerten. Sie verstehen sicher, daß ich nur den besten Betrieb akzeptieren kann.“

Der Mann mit den Sorgen war erst bleich geworden, dann aber wurde er ganz fröhlich, und zum Schluß lachte er freundlich. „Das ist ja eine prima Idee“, sagte er. „Wir sind nämlich wirklich ein ganz ungewöhnlich qualifizierter Ausbildung sbetrieb. Ich glaube bestimmt, daß wir Ihren Anforderungen genügen werden. Sie bekommen den Bogen schon in den nächsten Tagen zurück. Ich würde mich freuen, wenn Sie uns eine Chance geben; Sie werden es bestimmt nicht bereuen.“

Als das Mädchen gegangen war, dachte er insgeheim: „Toll! Die Regierung in Bonn sollte ein Gesetz machen, daß nur solche Betriebe ausbilden dürfen, die sich vorher von den Jugendlichen testen lassen. Schließlich ist es ja wahr: Nur der Betrieb darf ausbilden, der wirklich qualifiziert ist.“

Und wenn der Mann nicht gestorben ist, dann lebt er heute noch. Und viele, die heute leben, könnten es – nicht genauso, aber ähnlich – erleben. Günter Apel