Von Erwin Brunner

Orte gibt es, die hat die Geschichte schmählich angeschmiert. Braunau am Inn zum Beispiel: Der sogenannte „Führer“ des braunen Unheils rühmte als „glückliche Bestimmung des Schicksals“, daß ihm just „dieses Städtchen an der Grenze jener zwei deutschen Staaten...“ („Mein Kampf“), die er später in den Ruin führen sollte, als Geburtsort „zugewiesen“ war. Im ersten Stockwerk des Hauses Vorstadt 219, über der Schankstube des „Gasthofs zum Pommer“, wurde er am frühen Abend des regentrüben Karsamstags 1889 als Sohn des k. k. Zollamtsoffizials Alois Hitler geboren.

Die Hitlerei ist längst zerstoben, der Stadt blieb das Geburtshaus des Diktators und dessen unseliger Ruf. Wem auch fällt zu Braunau nicht sofort Hitler ein? Und welcher Fremde würde den ominösen Ort im Oberösterreichischen besuchen, ohne das Haus sehen zu wollen, in dem ... An die leidige Fragerei nach dem Gebäude sind die Braunauer jedenfalls seit Jahrzehnten gewöhnt, die Auskunft hat jeder parat: Salzburger Straße 15.

Zu sehen gibt es dort ohnehin nur „das Haus“. Die Familie Hitler ist bereits im Jahr 1892 – Klein Adolf war drei Jahre alt – nach Passau verzogen. Heute ist in dem Gebäude, das der österreichische Staat von dem privatem Besitzer gemietet hat, die „Lebenshilfe“ untergebracht, eine Tagesheimstätte für Behinderte.

So setzt denn mancher Ladenbesitzer und Wirt auf die Souvenirsucht der Braunau-Besucher. Hitlers Geburtshaus gibt’s auf Ansichtskarten, Andenkentaferln und Aschenbechern (A. H.-Erlebnisreim für die getreuen Käufer: „Hier habe ich an Dich gedacht und diesen Gruß Dir mitgebracht“); Bierkrüge mit Hitlers Konterfei sind nur unterm Schanktisch zu haben – die Gemeinde hält ein scharfes Auge auf derlei Devotionalienschacher.

Natürlich, das Haus (denkmalgeschützt) steht da, also kann es sich jeder ansehen; und der Handel mit Ansichtskarten, auf denen es abgebildet ist, ist nicht verboten. Außerdem kommen Touristen ohnehin nur spärlich in den abgeschiedenen Ort. Lediglich ein Münchner Busunternehmen hat Hitlers Geburtshaus – auf einer Tour in die Wachau – im Reiseplan. Soll man die wenigen noch vergrämen? Wo die Besucher doch nur neugierig seien, nicht Nazis.

Trotz allen Kleinbürgersinns leidet eigentlich jedermann in Braunau unter der braunen Hypothek, für die keiner was kann. Und schließlich nahen im Gemeinderat die Sozialisten eine satte Mehrheit: Sie halten 25, die Volkspartei zehn, die Freiheitlichen zwei Mandate.