Viren zählen nicht mehr ganz zu den lebenden Organismen. Sie sind symmetrisch geformte Partikel, die in einem Lebewesen eine Abwehrreaktion auslösen. Ihre Erbsubstanz befähigt sie zur Vermehrung im Inneren einer Zelle; Als eine Art genetische Schmarotzer bedienen sie sich der Dienste ihrer Wirtszelle. Der Vorgang ist mit einer Schädigung des befallenen Organismus verbunden.

Viren verzichten – anders als alle Lebewesen, auch Bakterien – auf den eigenen Stoffwechsel zur Energiegewinnung. In einfacher Form bestehen sie aus einem kurzen Strang von Nukleinsäuren, wie sie in anderer Zusammensetzung als Erbsubstanz im Kern aller lebenden Zellen inklusive denen unseres Körpers auch vorliegen.

Ein Virus braucht zum Überleben ein anderes Lebewesen. Die Abhängigkeit wird durch die Neigung (Affinität) des Virus zu einzelnen Geweben bestimmt. Beim Menschen entscheidet auch die Reaktionsbreite seines Abwehrsystems über die Empfänglichkeit.

Das Beispiel Pocken zeigt, daß diese Wechselwirkung ohne Einwirkung von außen (etwa durch Impfen) über Jahrtausende stabil sein kann. Viren haben wenige Chancen, der für sie tödlichen Begegnung mit dem Immunsystem zu entgehen: durch eine Veränderung ihrer Oberfläche (Antigen-Wandel genannt) oder durch ihre Fähigkeit, ein Leben lang in der Wirtszelle zu verbleiben (die Latenz). Die erste Möglichkeit nutzt das Grippevirus, auf die zweite haben sich Herpesviren verlegt.

Das evolutionsgeschichtlich vergleichsweise junge Masernvirus hingegen spielt seine Infektiosität aus, bevor äußere Krankheitszeichen auftreten. Es kann nur existieren, wenn für diesen kurzen Zeitraum mehrere nicht immune Wirtsorganismen – in diesem Fall Kinder – auf engem Raum beieinander sind.

Die bei Aids beobachtete lange Inkubationszeit, die relativ geringe Infektiosität und der indirekte Nachweis von Viruspartikeln im Rahmen einer geschwächten Abwehr sprechen für ein „altes“ Virus, möglicherweise ein längst bekanntes – sofern ein Virus als Verursacher von Aids überhaupt nachgewiesen werden kann.