Der Krieg im Dunkel der Schließfächer währt schon seit Jahren, und an Waffenstillstand ist nicht zu denken. Den Angreifern ist jedes Mittel recht, doch mit den Angegriffenen hat niemand Mitleid: Alle verfolgen amüsiert den unerbittlichen Kampf zwischen französischen Zollfahndern und schweizerischen Bankiers.

Um Kapitalflüchtlingen auf die Spur zu kommen, ließ sich Frankreichs allmächtige Zollverwaltung schon allerhand einfallen. Sie schickte Agenten nach Genf, die im Bankenviertel die französischen Autonummern sorgsam notierten. Wer allzu oft seinen Wagen in der Nähe eines Bankhauses parkte, den erwartete zu Hause der ungebetene Besuch eines Steuerkommissars. Andere Agenten photographierten heimlich ihre eine Schweizer Bank aufsuchenden Landsleute. Weiter versuchten die Zöllner, Bankbeamte zu bestechen oder zu erpressen; in Basel wurden denn auch zwei Agenten auf frischer Tat ertappt. Doch nun holten die Franzosen zum großen Schlag aus: Sie behaupteten, im Besitze einer Liste von 50 000 Kunden der Schweizerischen Bankgesellschaft zu sein. Begann jetzt das große Zittern unter den Kapitalisten? Keineswegs. Wer in Frankreich etwas auf sich hält, hat in der Schweiz selbstverständlich ein Nummernkonto. Und deren Inhaber, das mußten die Zöllner kleinlaut zugeben, könnten sie nicht eruieren. Ro. W.